3 Fragen an … Bruno G. Wirnitzer, Programmbeirat der „Augsburger Perspektiven“

6. November 2013

Interviews

Regionale Strukturen und Projekte müssen in den Vordergrund gerückt werden, denn: Gesundheitsversorgung ist eine regionale Disziplin. Mit diesem Konzept punkten die Erfinder der AUGSBURGER PERSPEKTIVEN.  Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung zum ersten Mal statt, am 26. und 27. November geht es nun in die zweite Runde. Auch in diesem Jahr steht der Austausch regionaler Anbieter und nationaler Player im Fokus. Ulrike Maier stellte Herrn Bruno G. Wirnitzer, der der Programmleitung angehört, drei Fragen zu den zentralen Themen Fachkräftemangel und Personalentwicklung. Bruno G. Wirnitzer ist seit 2011 Leiter der Akademie für Gesundheitsberufe am Klinikum Augsburg, zuvor war er als Geschäftsführer Personal/Soziales und Arbeitsdirektor der Städtisches Klinikum München GmbH, Pflegedirektor des Krankenhauses München-Neuperlach sowie langjährig als Krankenpfleger auf Intensivstationen tätig.

Ulrike Maier: Herr Wirnitzer, Sie gehören der Programmleitung der Augsburger Perspektiven an, wo am 27. November auch das Thema Personalentwicklung auf der Agenda steht. War es Ihnen ein Anliegen, dass sich die Augsburger Perspektiven auch um das Thema Personal bemühen und was erhoffen Sie sich von der Diskussion und den Vorträgen rund um die Personalentwicklung?

B. G. Wirnitzer: Bereits bei den Augsburger Perspektiven 2012 wurden Personal- und Führungsthemen über das spezifische Personalpanel hinaus in weiteren Vorträgen angesprochen und von den Teilnehmern intensiv diskutiert.  Nach vielen Jahren, in denen für Klinikverantwortliche die Personalkosten  im Vordergrund standen und Personalmanagement vor allem als operatives Geschäft verstanden wurde, scheinen sich hier, wohl verstärkt durch die einschneidenden demografischen Entwicklungen, die Schwerpunkte zu verändern.  Ich selbst bin überzeugt, dass eine strategische, also vorausschauende sowie nachhaltige Personalpolitik und Personalentwicklung  künftig von entscheidender Bedeutung sein wird, um die Leistungsfähigkeit und Versorgungsqualität unserer Gesundheitseinrichtungen zu erhalten. Leider gab es bisher zu einigen drängenden Fragen, beispielsweise wie geeignete Führungskräfte gefunden und gezielt gefördert werden oder unterschiedliche Generationen geführt und „lebensphasengerecht“ eingesetzt werden können, kaum Best-Practice-Konzepte aus dem Klinikbereich. Die Augsburger Perspektiven wollen mit Beispielen erfahrener Praktiker, die man für die eigene Einrichtung prüfen und adaptieren kann, einen wichtigen Beitrag leisten.

Ulrike Maier: Sie sind als Leiter der Akademie für Gesundheitsberufe und PE/OE am Klinikum Augsburg tätig. Welche Tendenzen können Sie bei den Gesundheitsberufen ausmachen bezüglich Fluktuation, Verbleib im Beruf, Umgang mit Arbeitsbelastungen?

B. G. Wirnitzer: Mitarbeiterbefragungen zeigen sehr eindrucksvoll, dass sich Ärzte, Pflegende und andere Gesundheitsberufe in einem hohen Maß mit ihrer Aufgabe identifizieren. Sie wollen mit ihrer Tätigkeit Menschen helfen und etwas Sinnvolles und Werthaltiges tun. Hierfür sind die Beschäftigten in den Kliniken auch nach wie vor bereit, psychische und physische Belastungen  oder Schichtdienst und Überstunden auf sich zu nehmen, zumindest dann, wenn diese Leistung auch anerkannt wird, Arbeits- und Freizeiten einigermaßen planbar sind und dabei die persönliche Lebenssituation Gehör und Berücksichtigung finden kann. Eine hohe Bedeutung genießen nach den Umfragen auch eine kollegiale berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit, eine wertschätzende Führung oder die Möglichkeit, vom Arbeitgeber unterstützte Fort- und Weiterbildung in Anspruch zu nehmen.  Für die Mitarbeiter sind dies wichtige Arbeitsgrundlagen, die sich direkt oder mittelbar auf Fluktuation, Berufsverbleib oder die eigene Stress-Resilienz auswirken. Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Arbeitsverdichtung  und Leistungsausweitung  in den letzten Jahren dürfen Klinikverantwortliche gerade im Bereich Personalentwicklung, Bildung  und Mitarbeiterorientierung  nicht sparen, sondern müssen im Gegenteil „investieren“  und  vielleicht auch sehr viel mutiger und konsequenter neue Wege gehen.  Als aktuelle Beispiele aus dem strategischen Gesamtkonzept  unseres Hauses könnte ich hier die Etablierung eines umfassenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Ausbildung von Konfliktlotsen oder die Konzeption von (bewusst) berufs- und hierarchieübergreifenden Führungsschulungen  nennen.

Ulrike Maier: Ist der Fachkräftemangel auch in Ihrem Klinikum und der Region schon spürbar?

B. G. Wirnitzer: Obwohl in Bayern, so eine aktuelle Erhebung der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, noch nicht von einem generellen Fachkräftemangel im ärztlichen und Pflegedienst gesprochen werden kann, wird sich die Problematik schon aus den bekannten gesellschaftlichen Gründen in der nächsten Zeit massiv verschärfen.  Natürlich spüren auch wir am Klinikum Augsburg und in der Region Schwaben bereits den verstärkten Wettbewerb am Arbeitsmarkt um Fachkräfte und  junge Berufseinsteiger. Sowohl für die Gesundheitsberufe als auch die administrativen und technischen Bereiche des Krankenhauses gehen die Bewerbungszahlen tendenziell zurück. Wobei wir  im Vergleich zu München oder anderen Ballungsräumen sicher gut positioniert sind. Beispielsweise konnten wir die sensiblen Arbeitsbereiche im Zentral-OP oder den Intensivstationen bisher noch adäquat besetzen. Sicher mitbegründet durch unsere eigenen Schulen mit rund 550 Ausbildungsplätzen und  die,  zwar enorm aufwändigen und kostenintensiven, aber auch sehr effektiven berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildungen, die wir natürlich auch für andere Gesundheitseinrichtungen regional und überregional anbieten.

Herr Wirnitzer, herzlichen Dank für das Interview!

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