3 Fragen an … David Fickeisen von kliniken.de

3. Juli 2013

Interviews

David Fickeisen

Der aktuelle „Stellenreport Medizin und Pflege“ des Gesundheitsportals kliniken.de ist da! Wir sprachen mit Chefanalyst David Fickeisen über die Ergebnisse der bundesweiten Studie, die auf der Auswertung von rund 26.000 Stellenanzeigen aus dem Medizin- und Pflegesektor basieren.

Zur Person: David Fickeisen studierte an der TU Ilmenau Medientechnologie mit dem Schwerpunkt Medienproduktion. Nach dem Studium arbeitete er als Berater für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Wirtschaftsministerium des Landes NRW. Seit 2010 verantwortet er bei der VIVAI Software AG das Portalgeschäft, die seit 15 Jahren das Karriereportal für medizinische Berufe kliniken.de betreibt. Er hat das Online-Stellenportal maßgeblich weiter vernetzt und strategisch ausgebaut.

1. Sie haben in Ihrer Studie festgestellt, dass der Ärztemangel in den Bundesländern ganz unterschiedlich zu Buche schlägt. Was ist Ihrer Einschätzung nach der Grund dafür?

David Fickeisen: Ich denke, dafür gibt es mehrere Gründe. Man muss bedenken, dass vor ca. 10 Jahren die Kliniken noch in einer ganz anderen Lage waren und Ärzte entlassen mussten. Heute werden Ärzte händeringend gesucht, denn viele Absolventen gehen ins Ausland und fehlen dann den deutschen Kliniken. Darüber hinaus bekommen wir nun auch die Konsequenzen des demografischen Wandels voll zu spüren. Hinzu kommt, dass viele Frauen, die ein Medizinstudium absolvieren und dann in den Beruf einsteigen nach der Geburt Probleme haben wieder Fuß zu fassen. Das sind alles Faktoren die es zu beachten gilt.

2. Gibt es auch fachbezogen Unterschiede bezüglich Nachfrage und Angebot?

David Fickeisen: Festzustellen ist, dass die Nachfrage generell höher als das Angebot ist. Unterschiede sind da eher in den Bundesländern festzumachen. kliniken.de hat erstmals konkrete Zahlen vorgelegt und gezeigt, wo die meisten Ärzte pro 1 Million Einwohner gesucht werden. Gemäß der bundesweiten Studie, die auf der Auswertung von rund 26.000 Stellenanzeigen aus dem Medizin- und Pflegesektor basiert, entfällt beinahe ein Viertel aller vakanten Arztpositionen auf die Innere Medizin. Ebenfalls händeringend gesucht werden laut kliniken.de-Report Fachärzte für Psychiatrie, Anästhesiologie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Neurologie, Chirurgie, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin sowie Geriatrie. Die meisten Fachärzte fehlen in Nordrhein-Westfalen: 18 Prozent aller in Deutschland offenen Facharztstellen liegen laut Untersuchung in NRW. Danach kommen Baden-Württemberg (16 Prozent) und Bayern (13 Prozent). Besonders schwierig ist es offenbar Assistenzärzte zu finden. Beinahe die Hälfte (48 Prozent) aller offenen Arztstellen entfällt auf diese Personengruppe. In knapp einem Drittel aller Fälle (30 Prozent) wird ein Oberarzt gesucht. Lediglich 4 Prozent der Stellengesuche entfallen auf den Chefarzt.
Den größten Mangel an Assistenzärzten hat Nordrhein-Westfalen zu beklagen: Ein Viertel aller offenen Assistenzarztstellen befindet sich in NRW. Danach folgen Bayern (18 Prozent) und Baden-Württemberg (15 Prozent). Die Mangelliste der Oberärzte wird hingegen von Bayern angeführt (22 Prozent aller offenen Oberarztstellen sind in Bayern). Hier liegt NRW mit 21 Prozent nur auf dem zweiten Platz (Baden-Württemberg: 12 Prozent).

3. Welche Tipps geben Sie den Arbeitgebern mit auf den Weg, um auch zukünftig für den demografischen Wandel gewappnet zu sein?

David Fickeisen: Es reicht heute nicht mehr aus, offene Stellen nur auf der firmeneigenen Webseite einzustellen. Das Marketing bietet heute viel mehr Möglichkeiten, die genutzt werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel die Ausschreibung bei einer Online-Stellenbörse, Messepräsenz oder andere Aktivitäten. Die Liste dazu ist sehr lang und jedes Haus muss selbst entscheiden, wie Prioritäten gesetzt werden. Jeder mischt sich seinen eigenen Marketing-Mix. Allgemein festzuhalten bleibt allerdings, dass jeder heute werben muss, um im Kampf um die Talente zu bestehen.

Herr Fickeisen, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch!

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