3 Fragen an … Julia Hornung über nachhaltiges Personalmanagement in der Pflege

13. August 2013

Interviews

Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung lässt uns ein­fach nicht los. Das Thema brennt uns und den Unter­neh­men sozu­sa­gen unter den Nägeln, darum haben wir uns die­ses Mal mit einer Fach­frau für Demo­gra­fie­ma­nage­ment ver­ab­re­det. Julia Hor­nung ver­öf­fent­lichte im Dezem­ber ihr Buch “Nach­hal­ti­ges Per­so­nal­ma­nage­ment in der Pflege − Das 5-Säulen-Konzept”. Die­ses Kon­zept basiert auf ihrer Mas­ter­ar­beit, für die sie gleich mit 3 HR-Nachwuchspreisen aus­ge­zeich­net wurde. Und da sie aus der Pra­xis kommt, sind ihre Stra­te­gien erprobt, ganz­heit­lich und hand­lungs­ori­en­tiert.

1. Frau Hor­nung, in Ihrem Buch geht es auch um Demo­gra­fie­ma­nage­ment, was bedeu­tet das genau? Und kann man der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung mit gutem Per­so­nal­ma­nage­ment in der Gesundheits- und Sozi­al­wirt­schaft, die ja sehr per­so­nal­in­ten­siv ist, ein Schnipp­chen schla­gen?

Demo­gra­fie­ma­nage­ment ist die Unter­neh­mens­steue­rung in Zei­ten des demo­gra­fi­schen Wan­dels. Mir ist in die­sem Zusam­men­hang beson­ders wich­tig, dass der demo­gra­fi­sche Wan­del in den Medien häu­fig aus­schließ­lich nega­tiv kon­no­tiert wird, die­ser jedoch in sei­ner eigent­li­chen Wort­be­deu­tung ledig­lich eine Ver­än­de­rung der Bevöl­ke­rungs­struk­tur beschreibt und damit nicht nur den Fak­tor Alter im Blick hat und durch­aus auch Chan­cen und Per­spek­ti­ven bie­tet. Das 5-Säulen-Konzept in mei­nem Buch stellt einen Ansatz des nach­hal­ti­gen Per­so­nal­ma­nage­ments und damit auch des stra­te­gi­schen Manage­ments der Aus­wir­kun­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels dar.
Der demo­gra­fi­sche Wan­del trifft die Gesundheits- und Sozi­al­wirt­schaft gleich dop­pelt, da sich sowohl bei den Mit­ar­bei­ten­den als auch bei den Kun­den Fol­gen der gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen zei­gen. Aus­wir­kun­gen wie Per­so­nal­eng­pässe, hohe Fluk­tua­ti­ons­quo­ten und Kran­ken­stände, Nach­wuchs­kräf­te­man­gel etc. sind ver­mehrt zu spü­ren. Die Unter­neh­men haben daher einen gro­ßen Bedarf an Gegen­steue­rungs­maß­nah­men. Ein gutes – und dar­un­ter ver­stehe ich ein nach­hal­ti­ges – Per­so­nal­ma­nage­ment stellt hier ein not­wen­di­ges Instru­ment der stra­te­gi­schen Unter­neh­mens­steue­rung dar.

2. Was sind die wich­tigs­ten Stell­schrau­ben und wel­che Bedeu­tung haben Kenn­zah­len für ein nach­hal­ti­ges Per­so­nal­ma­nage­ment?

Nach­hal­ti­ges Per­so­nal­ma­nage­ment lässt sich in 5 Per­spek­ti­ven glie­dern:

  • Gesund­heits­ma­nage­ment
  • Lebens­lan­ges Ler­nen (Per­so­nal­ent­wick­lung)
  • Organisation- und Arbeits­ge­stal­tung
  • Personal- und Rekru­tie­rungs­po­li­tik
  • Füh­rung

Selbst­ver­ständ­lich bedin­gen sich die 5 Per­spek­ti­ven gegen­sei­tig. Bei­spiels­weise stellt die ergo­no­mi­sche Gestal­tung des Arbeits­plat­zes durch elek­trisch höhen­ver­stell­bare Bet­ten und ent­spre­chende Hilfs­mit­tel bei der Lage­rung eines Pati­en­ten sowohl ein Instru­ment der Per­spek­tive Gesund­heits­ma­nage­ment als auch der Per­spek­tive Orga­ni­sa­tion und Arbeits­ge­stal­tung dar. Was die wich­tigs­ten Stell­schrau­ben sind, lässt sich jedoch nicht pau­schal sagen, sodass ein­rich­tungs­in­di­vi­du­elle Schwer­punkte gelegt sowie Hand­lungs­maß­nah­men kon­zi­piert und imple­men­tiert wer­den soll­ten. Daher ist für mich ein modu­la­res Kon­zept des nach­hal­ti­gen Per­so­nal­ma­nage­ment mit einem hohen Maß an indi­vi­du­el­ler Aus­ge­stal­tung für die Umset­zung in der Pra­xis von zen­tra­ler Bedeu­tung.
Kenn­zah­len erfül­len hier­bei zwei Funk­tio­nen. Zum einen die­nen sie der Bedarfs­er­he­bung, bei­spiels­weise durch eine Alters­struk­tur­ana­lyse, und zum ande­ren kön­nen nach der Imple­men­tie­rung der Maß­nah­men des nach­hal­ti­gen Per­so­nal­ma­nage­ments auch eine Eva­lua­tion und damit ein Con­trol­ling erfol­gen.

3. Sie haben für Ihre Publi­ka­tion mit Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zusam­men­ge­ar­bei­tet, Sie haben außer­dem eine Aus­bil­dung zur Gesundheits- und Kran­ken­pfle­ge­as­sis­ten­tin und durch Ihre Organisations- und Per­so­nal­be­ra­tung viel Pra­xis­er­fah­rung und einen dif­fe­ren­zier­ten Ein­blick in ver­schie­dene Unter­neh­mens­struk­tu­ren, was wür­den Sie, wenn Sie könn­ten, ändern, damit es in der Gesundheits- und Sozi­al­wirt­schaft und allen voran in der Pflege kei­nen Per­so­nal­kol­laps gibt. Oder glau­ben Sie, dass es kei­nen Not­stand geben wird, da die Regie­rung recht­zei­tig reagie­ren wird oder/und die Unter­neh­men durch gutes Manage­ment vie­les abfe­dern kön­nen?

Ich würde gerne Trä­ger ermu­ti­gen, ihren Blick zu wei­ten, um neue Wege zu gehen und gemein­sam inno­va­tive Idee zu ent­wi­ckeln, sodass hier­durch dem demo­gra­fi­schen Wan­del aktiv begeg­net wird. In ein­zel­nen Fäl­len geschieht dies bereits, wie erfolg­rei­che Bei­spiele zei­gen:

  • Meh­rere Trä­ger fin­den sich zu einem Aus­bil­dungs­netz­werk zusam­men, um bei ihren poten­ti­el­len Aus­zu­bil­den­den mit einer viel­fäl­ti­gen Aus­bil­dung mit unter­schied­lichs­ten Pra­xis­ein­sät­zen zu wer­ben.
  • In Koope­ra­tion mit Hoch­schu­len ent­ste­hen duale Stu­di­en­gänge, die eine Aus­bil­dung sowie ein par­al­lel ver­lau­fen­des Bachelor-Studium ver­bin­den.

Abschlie­ßend möchte ich jedoch bei allen nach­voll­zieh­ba­ren Rekru­tie­rungs­be­stre­bun­gen der Unter­neh­men den Blick auf die bestehen­den Mit­ar­bei­ten­den rich­ten, da diese als Mul­ti­pli­ka­to­ren für das Image des Pfle­ge­be­rufs ver­stan­den wer­den soll­ten und damit eben­falls aktiv zur Gestal­tung der Zukunft der Pflege bei­tra­gen.

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BUCHTIPP

Cover Nachhaltiges Personalmanagement von Julia Hornung
Julia Hor­nung
Nach­hal­ti­ges Per­so­nal­ma­nage­ment in der Pflege – Das 5-Säulen-Konzept

2013, Soft­co­ver
IX, 157 Sei­ten, 55 Abb.
ISBN 978–3-642–29997-1
 34,95 €
Ver­lag: Sprin­ger Medi­zin

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