Auf dem Vormarsch: Die Ökonomisierung der Krankenhäuser

26. September 2012

Employerbranding

Der deut­sche Kran­ken­haus­markt steht vor einem gro­ßen Umbruch.
Pri­vate Kli­nik­be­trei­ber drän­gen in den Markt und über­neh­men insol­vente kom­mu­nale oder frei­ge­mein­nüt­zige Häu­ser. Fol­gende Zah­len ver­deut­li­chen die zuneh­mende Öko­no­mi­sie­rung: 2005 hat­ten die pri­va­ten Kran­ken­häu­ser noch einen Markt­an­teil (an der Zahl der Bet­ten gemes­sen) von 12,9 Pro­zent, 2009 bereits 16,6. Ver­lo­ren haben vor allem die kom­mu­na­len Kran­ken­häu­ser, die von 47,6 Pro­zent auf 44,5 fie­len.
Wieso tun sie das, mag sich manch einer fra­gen, mit Kran­ken­häu­sern lässt sich doch kein Geld ver­die­nen? Falsch gedacht!  Die EBITDA-Werte (Quo­ti­ent aus dem Betriebs­er­geb­nis und dem Erlös) ver­deut­li­chen: Die kom­mu­na­len Häu­ser kom­men gerade ein­mal auf eine Marge von 2,6 Pro­zent, frei­ge­mein­nüt­zige Kli­ni­ken auf 3,8, die pri­va­ten auf 9,4.
Wäh­rend also über vie­len kom­mu­na­len Kli­ni­ken der Plei­te­geier kreist, freuen sich die pri­va­ten Betrei­ber über das ren­ta­ble Geschäft mit der Gesund­heit. Exper­ten erwar­ten, dass die Zahl der Kran­ken­häu­ser in den kom­men­den 8 Jah­ren noch ein­mal um 8 Pro­zent schrump­fen wird, vor allem wird es kleine kom­mu­nale Häu­ser tref­fen. Im Gegen­zug wer­den die pri­vat geführ­ten Kli­ni­ken ver­mut­lich Markt­an­teile gewin­nen.

Kon­tro­verse Dis­kus­sion
An die­sem Punkt wird nun kon­tro­vers dis­ku­tiert. Darf man mit der Gesund­heit ande­rer Men­schen Geld ver­die­nen? Sind die Fall­pau­scha­len an der Misere schuld? Denn Ärzte wer­den nach Ope­ra­tio­nen bezahlt, was betriebs­wirt­schaft­lich logisch klingt, bedeu­tet für den Pati­en­ten, dass viel­leicht doch mal schnel­ler zum Skal­pell gegrif­fen wird als nötig. Beängs­ti­gend! Auch die Zah­len ver­deut­li­chen dies: Zwi­schen 1990 und 2010 blie­ben 44 Pro­zent der Pati­en­ten eine kür­zere Zeit im Kran­ken­haus, die Zahl der Behand­lungs­fälle stieg jedoch um 24 Pro­zent.

Posi­ti­ves von den “Pri­va­ten”
Aber es gibt auch Posi­ti­ves von den pri­va­ten Kli­nik­be­trei­bern zu berich­ten:
— Wegen  ihres schlech­ten Rufs sind sie ver­stärkt um Trans­pa­renz bemüht, legen Gehäl­ter und Behand­lungs­feh­ler in ihren Jah­res­be­rich­ten offen.
— Sie ver­fü­gen über die nöti­gen Finanz­mit­tel, um nach einer Über­nahme viel Geld zu inves­tie­ren, z.B. auch in modernste Tech­nik wie Hybrid­ope­ra­ti­ons­säle.
— Es wird ver­stärkt Wert auf Quli­täts­ma­nage­ment durch Leis­tungs­ver­gleich gelegt.
Die­ses stän­dige Qua­li­täts­ma­nage­ment spornt an, kann aber auch nach hin­ten los­ge­hen und die Mit­ar­bei­ter unter Druck set­zen. So ver­kehrt sich eine posi­tiv gedachte Maß­nahme ins Gegen­teil.

Die Pri­va­ti­sie­rungs­kri­ti­ker
… machen deut­lich, dass vor allem das Pflege- und Hilfs­per­so­nal zu lei­den hat. Schließ­lich ent­fal­len ca. 70% der Kos­ten eines Kran­ken­hau­ses auf das Per­so­nal, das ist dem­nach die größte Stell­schraube, an der Betrei­ber dre­hen kön­nen. Die aus­schließ­lich öko­no­misch ori­en­tierte Arbeits­weise führt zu
— einem gefähr­li­chen Arbeits­tempo
— Aus­glie­de­run­gen und häu­fi­gen Umstruk­tu­rie­run­gen
— einer Gewinn­ma­xi­mie­rung, die auf Lohn- oder Per­so­nal­re­du­zie­rung basiert.

Die Gefahr
…, die hier lau­ert, scheint noch nicht erkannt: Nur wer über zufrie­de­nes, gesun­des, gut aus­ge­bil­de­tes und somit leis­tungs­fä­hi­ges Per­so­nal  ver­fügt, wird bestehen kön­nen. Denn wenn der Preis über­all gleich sein sollte, wird die Qua­li­tät der Häu­ser dar­über bestim­men, in wel­che Kli­nik der Pati­ent geht. Genau die­ses Span­nungs­feld zwi­schen Arbeit­ge­ber­qua­li­tät und Wett­be­werb steht im Mit­tel­punkt der dies­jäh­ri­gen Medi­cal Recruit­ing  Con­fe­rence.

Mit­ar­bei­ter­bin­dung ist ein Schlüs­sel­wort im Per­so­nal­ma­nage­ment. Las­sen Sie sich daher von Experten/innen aus der For­schung und der betrieb­li­chen Pra­xis davon über­zeu­gen, dass ein betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment nicht nur das Image Ihrer Arbeit­ge­ber­marke ver­bes­sert, son­dern dass es posi­tive öko­no­mi­sche Effekte hat, wenn Sie das Wohl­be­fin­den Ihrer Mitarbeiter/innen ins Zen­trum des Inter­es­ses stel­len.
Dazu gibt es den Keynote-Vortrag „Stell­schrau­ben einer gesund­heits­för­der­li­chen Unter­neh­mens­kul­tur im Gesund­heits­we­sen“ von Prof. Dr. Tim Hage­mann (Fach­hoch­schule der Dia­ko­nie Bie­le­feld) mit anschlie­ßen­der Podi­ums­dis­kus­sion.
Anmel­dung und Info zur Medi­cal Recruit­ing Kon­fe­renz
am 4. Okto­ber 2012 im Hotel Stei­gen­ber­ger, Los-Angeles-Platz 1, Ber­lin


Wei­ter­füh­ren­des zum Thema:

Ope­ra­tion Ren­dite Ein Bericht der Zeit u.a. über die Helios-Kliniken.
Kran­ken­haus Rating Report 2012

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