Auslandsrekrutierung gegen den Ärztemangel — stationäre vs. ambulante Versorgung

15. Dezember 2014

International Recruiting

In einem Bei­trag des Deut­schen Ärz­te­blatts stellt Dr. Patri­cia Hänel, Ber­lin, anhand einer Aus­wer­tung von Pri­mär­da­ten des sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes den Anteil aus­län­di­scher Ärzte an der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung ihrem Anteil im ambu­lan­ten Bereich gegen­über. So arbei­te­ten 2012 bereits 22.382 Kran­ken­haus­ärzte mit migran­ti­schem Hin­ter­grund in deut­schen Kran­ken­häu­sern, was etwa einem Anteil von 14% ent­sprach. Dem­ge­gen­über machte der Anteil von Ärzten/innen aus dem Aus­land mit 3.652 in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung nur einem Anteil von 2,5% aus. Die Frage, ob und wo aus­län­di­sche Ärzte, die in deut­schen Kran­ken­häu­sern wei­ter­ge­bil­det wer­den, lang­fris­tig auch in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung arbei­ten wür­den, wird nach Ansicht von Frau Dr. Hänel kaum dis­ku­tiert. Als mög­li­che Res­source für die ambu­lante Ver­sor­gung gel­ten der­zeit – wenn über­haupt – nur wei­ter­ge­bil­dete Fach­ärzte aus dem Aus­land, die sich jedoch nur sel­ten für einen Umzug nach Deutsch­land ent­schei­den wür­den.

Ärzteblatt_Auslandsrekrutierung

Warum Ärzte aus dem Aus­land ins­ge­samt so sel­ten in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung arbei­te­ten, könne nur ver­mu­tet wer­den. Gene­rell seien — unab­hän­gig von der Natio­na­li­tät – ver­schie­dene Hin­der­nisse für die Nie­der­las­sung vor allem auf dem Land bekannt. Als „Ein­zel­kämp­fer“ in einer struk­tur­schwa­chen Region zu arbei­ten, sei nach einer sta­tio­nä­ren Aus- und Wei­ter­bil­dung unge­wohnt, das Auf­ga­ben­spek­trum sehr breit, die Arbeits­be­las­tung hoch, die tech­ni­sche Aus­stat­tung meist schma­ler als in der Kli­nik und die Mög­lich­kei­ten von z.B. Frei­zeit­ge­stal­tung und Kin­der­be­treu­ung eher gerin­ger als in Groß­städ­ten oder Bal­lungs­ge­bie­ten mit guter Infra­struk­tur.

Dr. Patri­cia Hänel ist Ärz­tin und forscht am Insti­tut für All­ge­mein­me­di­zin der Otto-von-Guericke Uni­ver­si­tät Mag­de­burg zu Arbeits­mo­ti­va­tion, Arbeits­be­din­gun­gen und Kom­mu­ni­ka­tion im Gesund­heits­we­sen. Aus lang­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung in Medi­zin und Pflege, in lei­ten­der Posi­tion als MVZ-Leiterin, als Chef­ent­wick­le­rin von medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­pro­jek­ten (Fall­ma­nage­ment, DMP, Inte­grierte Ver­sor­gung) und Ver­hand­lungs­füh­re­rin von Ver­sor­gungs­ver­trä­gen, kennt sie Arbeits­wirk­lich­keit und Posi­tio­nen aller wich­ti­gen Player im Gesund­heits­we­sen. Sie ver­bin­det diese prak­ti­sche Erfah­rung mit wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen und eige­nen For­schungs­er­geb­nis­sen und ver­mit­telt die­ses Wis­sen als Bera­te­rin und Trai­ne­rin. Ihre Schwer­punkte lie­gen in den Berei­chen Moti­va­tion und Arbeits­be­din­gun­gen in medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen, Füh­rungs­kräf­te­trai­ning, Teament­wick­lung, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­trai­ning für Ärzte und nicht­ärzt­li­che Mit­ar­bei­ter, Feh­ler­ma­nage­ment, Ent­wick­lung und Umset­zung inno­va­ti­ver Ver­sor­gungs­kon­zepte. Dr. Hänel ist Mit­glied im Akti­ons­bünd­nis Pati­en­ten­si­cher­heit und der Gesell­schaft der Hoch­schul­leh­rer für All­ge­mein­me­di­zin e.V.

Auf den Bei­trag ver­lin­ken wir mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Deut­schen Ärz­te­blatts.

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