Das “Patenmodell” am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

14. Oktober 2014

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Ber­li­ner Kran­ken­häu­ser haben viel zu tun: Laut Kran­ken­haus­sta­tis­tik wur­den 2013 rund 794.000 Pati­en­ten behan­delt, 1,4% mehr als 2012. Die mitt­lere Ver­weil­dauer liegt bei 7,6 Tage, das ent­spricht dem Durch­schnitt deut­scher Kli­ni­ken. Die Bet­ten­aus­las­tung hin­ge­gen lag in Ber­lin mit 82,2 Pro­zent deut­lich über dem bun­des­wei­ten Durch­schnitt von 77 Pro­zent. Ber­lin ver­fügt also nicht nur über eine große und breit gefä­cherte Kran­ken­haus­ver­sor­gung, son­dern eben auch über die ent­spre­chende Nach­frage. Das Martin-Luther-Krankenhauses (MLK) liegt im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (Gru­ne­wald). In die­sem Stadt­teil, so ver­rät uns Kers­tin Patt, Pfle­ge­di­rek­to­rin des MLK, gibt es eine sehr gute, dichte medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, damit natür­lich auch ent­spre­chend Kon­kur­renz. Das MLK ist ein Akut- und Unfall­kran­ken­haus und blickt bereits auf eine 83-jährige His­to­rie zurück, ist damit also als Anlauf­stelle in der “Nach­bar­schaft” fest eta­bliert. Den­noch, so Kers­tin Patt, kann man die Hände nicht ein­fach in den Schoß legen: “Man kämpft nicht nur um gute Mit­ar­bei­ter, son­dern muss sich auch um Pati­en­ten bemü­hen.” Das MLK hat daher vor zwei Jah­ren begon­nen, in sei­ner Ret­tungs­stelle eine bemer­kens­werte Umstruk­tu­rie­rung durch­zu­füh­ren. Ein Ele­ment war das “Paten­mo­dell”.

MCM: Frau Patt, wür­den Sie uns das Paten­mo­dell ein­mal vor­stel­len?

Kers­tin Patt: Gerne. Wir haben vor zwei Jah­ren ein Lean­pro­jekt an unse­rem Haus gestar­tet und ein Teil von die­sem ist das Paten­mo­dell, das wir in unse­rer Ret­tungs­stelle ein­ge­führt haben. Aus­lö­ser hier­für waren die Beschwer­den über die War­te­zeit in der Ret­tungs­stelle, die unse­rem Beschwer­de­ma­nage­ment zuge­kom­men sind. Es gibt zwei zen­trale Bau­steine, die wir ein­ge­führt haben: Bei der Erstein­schät­zung in der Not­auf­nahme arbei­ten wir nun mit dem Manchester-Triage-System und zwei­tens haben wir eine Wert­strom­ana­lyse durch­ge­führt und danach die Arbeits­schritte stan­dar­di­siert. Ein Team besteht je nach Erkran­kungs­bild z.B. aus einem Inter­nis­ten oder einem Chir­ur­gen und einem Mit­ar­bei­ter aus dem Pfle­ge­dienst. Die­ses zwei­köp­fige Team beglei­tet den Not­fall von der Auf­nahme bis zur Ent­las­sung und wird somit zum „Paten“ des Pati­en­ten. Mit die­ser Neu­or­ga­ni­sa­tion haben wir es geschafft, die Zeit der Erstein­schät­zung bis zum Ende der Behand­lung auf durch­schnitt­lich 120 Minu­ten zu redu­zie­ren, die Effi­zi­enz wurde um 21% gestei­gert und ein ganz wich­ti­ger Punkt, der uns sehr am Her­zen lag, der Pati­ent steht wie­der im Mit­tel­punkt des Pro­zes­ses. Durch die Über­nahme der “Paten­schaft” für einen Pati­en­ten von Anfang der Behand­lung bis zu sei­ner Ent­las­sung aus der Ret­tungs­stelle erhöht sich die Effek­ti­vi­tät in der Betreu­ung und die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Arzt und Pflege läuft als Team ein­ge­spielt und rei­bungs­arm.
Außer­dem ver­fü­gen wir über ein Dash­board, eine Art elek­tro­ni­sche Armaturen- oder Instru­men­ten­ta­fel, auf das die Mit­ar­bei­ter über­all zugrei­fen und den Behand­lungs­ta­tus des Pati­en­ten abfra­gen kön­nen. Die Arbeits­auf­tei­lun­gen für jeden Arbeits­platz sind nun äußerst genau defi­niert und Stan­dards fest­ge­legt. Auch wenn es einige Zeit in Anspruch genom­men hat, bis diese Neu­or­ga­ni­sa­tion rou­ti­ne­mä­ßig umge­setzt wer­den konnte, wol­len wir diese Umstruk­tu­rie­rung nicht mehr mis­sen. Wir sind mit dem Ergeb­nis höchst zufrie­den, denn es hilft uns, die Stei­ge­rung der Fall­zah­len zu sichern. Die Fall­zahl­stei­ge­rung um 4000 Pati­en­ten bestä­tigt unser Vor­ge­hen.

MCM: 2012 wurde das MLK mit dem Klinikus-Award aus­ge­zeich­net für beson­dere Pati­en­ten­zu­frie­den­heit, hierzu wur­den 15.000 (!) Ver­si­cherte aus Ber­lin und Bran­den­burg befragt. Was ist das Geheim­re­zept des MLK, wie schaf­fen Sie diese außer­ge­wöhn­li­che Pati­en­ten­zu­frie­den­heit?

Kers­tin Patt: Ich denke, die Pati­en­ten mer­ken, dass Sie bei uns im Mit­tel­punkt ste­hen, dafür ver­su­chen wir alles zu tun. Wir haben ein Beschwer­de­ma­nage­ment, das wir sehr ernst neh­men. Außer­dem ver­su­chen wir unse­ren Pati­en­ten den Auf­ent­halt so ange­nehm wie mög­lich zu gestal­ten, dazu gehört, dass wir bemüht sind, die War­te­zeit immer so kurz wie mög­lich zu hal­ten und eine hohe Ser­vice­qua­li­tät anzu­bie­ten. Momen­tan reno­vie­ren wir zum Bei­spiel sta­tio­näre Berei­che, um eine moderne und gepflegte Atmo­sphäre zu sichern.

Frau Patt herz­li­chen Dank für das Gespräch und wei­ter­hin viel Erfolg mit dem Paten­mo­dell.

Patt KerstinZur Per­son:
Kers­tin Patt ist seit 11 Jah­ren am Martin-Luther-Krankenhaus Ber­lin als Pfle­ge­di­rek­to­rin und Mit­glied der Kran­ken­haus­di­rek­tion tätig. Zuvor war sie Pfle­ge­dienst­lei­te­rin des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Ben­ja­min Fran­klin der FU Ber­lin, hat Pfle­ge­ma­nage­ment stu­diert und eine Aus­bil­dung zur Fach­kran­ken­schwes­ter für Anäs­the­sie und Inten­siv­me­di­zin absol­viert.

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