3 Fragen an … Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in Nordrhein-Westfalen

12. März 2012

Interviews

Barbara Steffens ist seit 15. Juli 2010 Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. Am 15. März wird sie auf dem Gesundheitskongress des Westens (Motto 2012: „Kampf um Kluge Köpfe“) in Köln die wichtigsten Eckpfeiler der Zukunft für das Gesundheitsland Nordrhein-Westfalen umreißen. Innovative Modellstudiengänge im Bereich Pflege und Ausbildungs-Modellprojekte sind wichtige Bausteine, um das volle Potential der Gesundheitsberufe auszuschöpfen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wir freuen uns, dass Frau Ministerin Steffens bereit war, drei Fragen zu speziell zu diesem Themengebiet zu beantworten:

 1. Frau Ministerin Steffens, der Gesundheitskongress des Westens steht unter dem Motto: Kampf um Kluge Köpfe – arbeiten im Zukunftssektor Gesundheit. Der Fachkräftemangel ist durch den so genannten doppelten demografischen Wandel im Gesundheitssektor besonders dramatisch. Nordrhein-Westfalen ist bundesweit Vorreiter in der Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe mit 10 Modellstudiengängen an sechs Hochschulen. Wie werden diese Angebote von den StudentInnen angenommen? Denken Sie dass dies ein Mittel sein könnte, dem dramatischen Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzutreten?

Ministerin Barbara Steffens: Die Modellstudiengänge erfahren in allen Modellstandorten eine große Nachfrage. Insbesondere bei den therapeutischen Berufen übersteigen die Anfragen die vorhandenen Kapazitäten in den Modellstudiengängen um ein Vielfaches. Auch zeigen erste Rückmeldungen aus den Modellstudiengängen, dass die Studierenden äußerst aktiv und engagiert die angebotenen innovativen Strukturen und Lernmöglichkeiten nutzen.
Auch aufgrund dieser Rückmeldungen bin ich mir sicher, dass wir mit dem eingeschlagenen Weg einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung und die Attraktivitätssteigerung dieser Berufe leisten. Denn moderne und zukunftsorientierte Ausbildungsmöglichkeiten sind zwingende Voraussetzung, um genügend junge Menschen für eine Tätigkeit in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen gewinnen zu können.
Die Durchführung der Modellstudiengänge ist aber nicht der einzige Baustein, um dem beschriebenen Fachkräftemangel entgegentreten zu können. Gerade im Pflegebereich muss die Attraktivität des gesamten Berufsfeldes gesteigert werden. Dies gilt nicht nur für die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten – auch müssen die Arbeitsbedingungen (wie Arbeitszeiten und Bezahlung) verbessert und familienfreundlicher sowie der Wiedereinstieg ins Berufsfeld erleichtert werden. Dies kann jedoch nur unter Beteiligung aller Akteurinnen und Akteure gelingen.

2. Eine zweite Säule Ihrer Weiterentwicklung der medizinischen Fachberufe sind Modellprojekte in der Ausbildung. Im Bereich Kranken- und Kinderkrankenpflege, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Hebammenkunde sind bereits Projekte abgeschlossen. Im vergangenen Herbst startete ein neues Modellprojekt in den Ausbildungen zur medizinisch-technischen Assistenz. Denken Sie dies ist eine Möglichkeit, den Nachwuchs mit attraktiven Angeboten für medizinische Ausbildungsberufe zu gewinnen? Welche Vorteile haben die Auszubildenden dadurch? Haben Sie bereits ein positives Feedback der Institutionen, die die Auszubildenden anschließend übernehmen?

Ministerin Barbara Steffens: Mit der Entwicklung und modellhaften Erprobung der Empfehlenden Ausbildungsrichtlinien in den genannten Berufen hat das Land NRW einen weiteren wichtigen Schritt unternommen, um die auf Bundesebene geregelten und in Teilen veralteten Berufsgesetze an die neuen Strukturen im berufsbildenden Bereich anzupassen. Vor dem Hintergrund einer stetig abnehmenden Zahl an jungen Menschen ist dies notwendig gewesen, um Schritt halten zu können mit innovativen Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Berufsfeldern.
Gerade durch die starke Kompetenzorientierung der Empfehlenden Ausbildungsrichtlinien ist für alle Beteiligten viel schneller nachzuvollziehen, welche Tätigkeiten von den Ausgebildeten übernommen werden können.  Die Schülerinnen und Schüler selber erhalten dadurch eine Ausbildung, deren Strukturen und damit verbundenen Lernmöglichkeiten auch in anderen Bereichen (z. B. Hochschule)  und Ländern zu finden sind. Damit wird auch die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen verbessert. Entsprechend positiv fallen bislang auch die Rückmeldungen der beteiligten Einrichtungen und aller Akteurinnen und Akteuren aus. Auch von diesen werden immer wieder die innovativen Ausbildungsstrukturen und die damit verbundenen Möglichkeiten sowie die neue Qualität in der Ausbildung bzw. der Auszubildenden betont.  

3. Welche weiteren Pläne haben Sie noch für den Gesundheitsbereich in NRW bzw. welches Gesundheitsziel liegt Ihnen besonders am Herzen und sollte mit welchen Mitteln sofort in Angriff genommen werden?

Ministerin Barbara Steffens: Mein oberstes Ziel ist es, den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung zu stellen. Es muss selbstverständlich sein, von den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten aus zu denken und konsequent danach zu handeln. Das heißt auch, eine geschlechterdifferenzierte Betrachtungsweise nicht zu vergessen.
Die Mittel, die mir als Landesministerin zur Verfügung stehen, will ich konsequent nutzen. Also beispielsweise s
o schnell wie möglich mit dem sektorübergreifenden Landesgremium nach § 90a Lösungen für Schnittstellenprobleme und differenzierte Bedarfe zu suchen. Mit diesen Ansätzen und dem neuen Krankenhausrahmenplan, der bis zum Jahresende entwickelt sein kann, sollen sektorenübergreifende Versorgungsformen gefördert und eine Gesundheitsversorgung als ein regionales Netz entlang der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten umgesetzt werden. Mit der Weiterentwicklung des Hausärzteaktionsprogramms zu einem Programm zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung in NRW will ich zum Erhalt und Ausbau einer qualitativ hochwertigen wohnortnahen Versorgung in NRW beitragen. Um das Gesundheitssystem demographiefest zu machen, müssen wir auch – gemeinsam mit der Landesgesundheitskonferenz – den gesamten Bereich der Prävention stärken. Denn unser erstes Ziel muss ja sein, dass Menschen so lange wie möglich gesund bleiben.

Frau Ministerin, vielen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Vera Babilon.

Weiterführende Links:
Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Die Modellstudiengänge
Gesundheitskongress des Westens 2012

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