Fachkräftemangel im Gesundheitwesen: Zukünftiges Bundesgesetz soll Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse erleichtern

14. Februar 2011

Recruiting Trends

Vor dem Hin­ter­grund des Fach­kräf­te­man­gels arbei­tet die Bun­des­re­gie­rung an einem Aner­ken­nungs­ge­setz für im Aus­land erwor­bene Berufs­ab­schlüsse. In wel­chem Aus­maß die Gesund­heits­wirt­schaft davon pro­fi­tie­ren wird, ist noch frag­lich. Viele Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund aber auch Deut­sche Staats­bür­ge­rin­nen haben in ande­ren Län­dern Qua­li­fi­ka­tio­nen und Abschlüsse im Pflege- und The­ra­pie­be­reich oder als Ärztinnen/Ärzte erwor­ben, kön­nen sie auf dem deut­schen Arbeits­markt  aber nicht ein­set­zen. Es gibt nur sehr unein­heit­li­che Ver­fah­ren, die je nach Aner­ken­nungs­in­sti­tu­tion und Bun­des­land zu unter­schied­li­chen Bewer­tun­gen von Abschlüs­sen füh­ren und die Aner­ken­nung erschwe­ren. Angeb­lich sind 300.000 poten­ti­elle Fach­kräfte davon betrof­fen. Das BMBF geht auf­grund aktu­el­ler Erhe­bun­gen von ins­ge­samt etwa 2,9 Mil­lio­nen Per­so­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund aus, die ihren höchs­ten beruf­li­chen Abschluss im Aus­land erwor­ben haben. Wie hoch die Anzahl der Antrag­stel­le­rIn­nen im Rah­men der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung von Aner­ken­nungs­ver­fah­ren tat­säch­lich­lich sein wird, kann jedoch nur geschätzt wer­den. Man rech­net aber damit, dass nicht nur bei Arbeits­lo­sen, son­dern auch bei Men­schen, die weit unter ihrer Qua­li­fi­ka­tion beschäf­tigt sind –  hier wird gerne das Bei­spiel des Taxi fah­ren­den Inge­nieurs ange­führt — ein hohes Aner­ken­nungs­in­ter­esse besteht.

Mit dem neuen Gesetz wer­den bun­des­weit  ein­heit­li­che Bewer­tungs­maß­stäbe auf der Grund­lage deut­scher Ausbildungs- und Qua­li­täts­stan­dards ange­strebt. Für Arbeit­ge­be­rIn­nen bedeu­tet dies mehr Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit bei den Qua­li­fi­ka­ti­ons­stan­dards neuer Bewer­be­rIn­nen. Neben MINT-Berufen ste­hen Medizin- und Erzie­hungs­be­rufe und Berufe im  Pfle­ge­be­reich ganz oben auf der Liste. Ins­be­son­dere auf Bun­des­ebene gere­gelte Berufe, u.a. aka­de­mi­sche und nicht­aka­de­mi­sche Heil­be­rufe, fal­len in den Gel­tungs­be­reich des neuen Bun­des­ge­set­zes. Aber auch die Län­der haben bereits ange­kün­digt, die berufs­recht­li­chen Rege­lun­gen in ihrem Zustän­dig­keits­be­rei­chen zu ändern.

Die Aner­ken­nungs­ver­fah­ren sol­len unbü­ro­kra­tisch und zügig gestal­tet wer­den. Bereits erfolg­reich bestehende Aner­ken­nungs­struk­tu­ren sol­len für das neue Gesetz genutzt wer­den. Die Ver­fah­ren wer­den im Medizin-, Pflege- und The­ra­pie­be­reich vor­aus­sicht­lich in der Hand der zustän­di­gen Ärz­te­kam­mern und Regie­rungs­prä­si­dien ver­blei­ben. Die Ent­schei­dung dar­über, ob die Aner­ken­nung eines Abschlus­ses bewil­ligt wird, soll mög­lichst inner­halb von drei Mona­ten erge­hen.  Das Gesetz wird sowohl für die Fach­kräfte gel­ten, die bereits im Land leben als auch für zukünf­tige Zuwan­de­rIn­nen, die eine Beschäf­ti­gung in ihrem erlern­ten Beruf in Deutsch­land anstre­ben. Sollte sich nach Abschluss des Antrags­ver­fah­rens her­aus­stel­len, dass eine im Aus­land erwor­bene Qua­li­fi­ka­tion nicht gleich­wer­tig ist, müs­sen die Antrag­stel­le­rIn­nen über die im Ver­hält­nis zur deut­schen Aus­bil­dung bestehen­den Unter­schiede  infor­miert wer­den, um sich dann auch ent­spre­chend nach­qua­li­fi­zie­ren zu kön­nen. Hier­für wer­den Bera­tungs­an­ge­bote für Aus­gleichs­maß­nah­men und sons­tige Nachqualifizierungs- und Fort­bil­dungs­maß­nah­men sowie zu ent­spre­chen­den För­der­mög­lich­kei­ten geschaf­fen.

Ob das Gesetz Wir­kung zeigt, wird nicht nur davon abhän­gen, wie viele Men­schen diese Mög­lich­keit tat­säch­lich in Anspruch neh­men. Wer z.B. viele Jahre aus sei­nem ursprüng­li­chen Beruf in andere Arbeit­markt­be­rei­che abge­wan­dert ist und dort sein Aus­kom­men hat, wird sich über­le­gen, ob er den Auf­wand und das Risiko auf sich nimmt.   Ganz ent­schei­dend wird aber sein, wie anschluss­fä­hig, unbü­ro­kra­tisch und bezahl­bar evtl. Nach­qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bote  aus­ge­stal­tet wer­den. Wenn es hier Eng­pässe und Unstim­mig­kei­ten gibt, wird das Gesetz seine Wir­kung ver­feh­len.

Wei­ter­füh­rende Links:
Eck­punk­te­pa­pier der Bun­des­re­gie­rung zum Thema
http://de.wikipedia.org/wiki/Mint
http://www.komm-mach-mint.de/
http://www.anabin.de/dokumente/Lissabonkonvention.pdf

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