Personalmangel in der Pflege: Fachgespräch im Bundestag

26. Oktober 2010

Recruiting Trends

Paul Löbe HausNicht nur die immer wie­der zitierte IT- und Tech­nik­bran­che, son­dern zuneh­mend auch die Pfle­ge­bran­che ist vom Per­so­nal­man­gel betrof­fen. Auch wenn sich das Pro­blem in der Öffent­lich­keit noch nicht so mas­siv her­um­ge­spro­chen hat, kön­nen wir fast täg­lich auf unse­rer Face­book­seite erfah­ren, dass sich die Arbeits­be­din­gun­gen im Pfle­ge­be­reich dras­tisch ver­schlech­tert haben. Das hat zur Folge dass es rela­tiv hohe Berufs­ab­bre­cher­quote gibt und dass junge Leute auch nicht mehr beson­ders moti­viert sind, einen Pfle­ge­be­ruf zu ergrei­fen. Am 25. Okto­ber 2010 hatte die grüne Bun­des­tags­frak­tion zur Dia­log­ver­an­stal­tung “Zukunft der Pflege – Was kön­nen wir gegen den Per­so­nal­man­gel tun?” ins Paul-Löbe-Haus ein­ge­la­den. Viele Inter­es­sierte, größ­ten­teils aus der Pfle­ge­bran­che, waren gekom­men um sich aus­zu­tau­schen, zu dis­ku­tie­ren und den zustän­di­gen Fach­po­li­ti­ke­rin­nen ihre Anlie­gen mit auf den Weg zu geben. Hier ein Aus­zug aus dem Pro­to­koll: „Die Fach­vor­träge mach­ten deut­lich, dass der Per­so­nal­man­gel in der Pflege kein iso­lier­tes Pro­blem ist. Daher sind iso­lierte Lösungs­an­sätze wenig erfolg­ver­spre­chend. Die Anwer­bung aus­län­di­scher Pfle­ge­kräfte kann kein All­heil­mit­tel sein. Zuwan­de­rung kann nur im Zusam­men­spiel mit wei­te­ren Maß­nah­men zur Pro­blem­lö­sung bei­tra­gen. Zudem ist Deutsch­land für viele aus­län­di­sche und vor allem gut qua­li­fi­zierte Pfle­ge­kräfte nicht unbe­dingt eine Reise ins geseg­nete Land. Andere euro­päi­sche Län­der bie­ten bes­sere Arbeits­be­din­gun­gen, bes­sere Bezah­lung und nicht sel­ten auch bes­sere Inte­gra­ti­ons­chan­cen. Dar­über hin­aus ste­hen immer mehr euro­päi­sche Län­der vor dem glei­chen Per­so­nal­pro­blem wie Deutsch­land. Ja, wir brau­chen mög­li­cher­weise Zuwan­de­rung für den Pfle­ge­be­reich. Das darf aber nicht dazu füh­ren, dass wir die Res­sour­cen und Poten­ziale im eige­nen Land ver­nach­läs­si­gen. Will man den Per­so­nal­man­gel in den Griff bekom­men, dann braucht es die Anstren­gun­gen aller Akteure – der pro­fes­sio­nell und nicht-professionell Täti­gen, der Poli­tik sowie der Län­der und Kom­mu­nen, der Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung. Die Dia­log­ver­an­stal­tung macht deut­lich, dass eine gemein­same und abge­stimmte Aktion aller not­wen­dig ist. Denn viel­fach wer­den gute Ideen und not­wen­dige Ansätze in dem einen Bereich bei­spiels­weise durch gesetz­li­che Vor­ga­ben in einem ande­ren zunichte gemacht. Um sol­che Ent­wick­lun­gen zu ver­mei­den ist es not­wen­dig Aus­wir­kun­gen zu dis­ku­tie­ren und wenn mög­lich in Modell­pro­jek­ten zu unter­su­chen. Die Dis­kus­sion hat gezeigt, ein gan­zes Bün­del an Maß­nah­men ist not­wen­dig, wenn wir zukünf­tig eine men­schen­wür­dige Pflege in Deutsch­land sichern wol­len. Dazu gehö­ren unter ande­rem

  • die aktive Beein­flus­sung von Pfle­ge­be­dürf­tig­keit durch Prä­ven­tion, Gesund­heits­för­de­rung und Reha­bi­li­ta­tion, durch den Abbau von Über- Unter- und Fehl­ver­sor­gung;
  • die Stei­ge­rung der Berufs­zu­frie­den­heit, zum Bei­spiel durch weni­ger Büro­kra­tie und Schaf­fung über­schau­ba­rer Pflege- und Betreu­ungs­for­men;
  • die Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen, was unter ande­rem auch die Gesund­erhal­tung des Per­so­nals zwin­gend ein­schließt;
  • neue Stra­te­gien zur Anwer­bung von Berufs­in­ter­es­sen­ten, die über Image­kam­pa­gnen hin­aus­ge­hen;
  • eine gemein­same euro­päi­sche Stra­te­gie zur Gewin­nung von Per­so­nal;
  • die Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät der Pfle­ge­aus­bil­dung durch ein durch­läs­si­ges Aus- und Wei­ter­qua­li­fi­zie­rungs­sys­tem für einen unbü­ro­kra­ti­schen Berufsein- und Auf­stieg;
  • gesi­cherte Finan­zie­rung der Erst­aus­bil­dung und Umschu­lung;
  • mehr Aus­bil­dungs­plätze;
  • Moni­to­ring zur regio­na­len Erfas­sung des der­zei­ti­gen und künf­ti­gen Pfle­ge­per­so­nal­be­darfs;
  • neue For­men der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion und Koope­ra­tion, die zur bes­se­ren Ver­sor­gung bei­tra­gen und den Ein­zel­nen ent­las­ten;
  • Koope­ra­tio­nen zwi­schen den pro­fes­sio­nel­len und nicht-professionellen Akteu­ren im Sinne eines Hilfe-Mix, damit Ver­ant­wor­tung auf meh­rere Schul­tern ver­teilt wird;
  • weni­ger Regu­lie­rung und mehr Spiel­räume für unter­neh­me­ri­sche Krea­ti­vi­tät;
  • gemein­we­sen­ori­en­tierte Struk­tu­ren, um Teil­habe zu ermög­li­chen;
  • mehr Ent­schei­dungs­be­fug­nisse wie auch finan­zi­elle Spiel­räume für die Ver­ant­wort­li­chen vor Ort.

Der Per­so­nal­man­gel in der Pflege ist eines der wich­tigs­ten The­men über­haupt. Es bedarf unser aller Anstren­gun­gen, die­sem zu begeg­nen und auch die Regie­rung aus ihrem Dorn­rös­chen­schlaf zu wecken und zum Han­deln zu zwin­gen. Es gibt kein Wissens- son­dern ein Hand­lungs­de­fi­zit. Auch wenn es Herrn Rös­ler noch nicht klar zu sein scheint: Der Per­so­nal­man­gel in der Pflege wird weit mas­si­ver aus­fal­len als der Ärz­te­man­gel. Denn: Ohne pfle­ge­ri­sche Unter­stüt­zung sehen wir alle ziem­lich alt aus.“ (Quelle: http://www.gruene-bundestag.de/cms/pflege/dok/358/358595.zuwanderung_allein_wirds_nicht_richten.html)

Die Fach­vor­träge als PDF Dateien:

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