Im Porträt: Die telc gGmbH

26. August 2014

International Recruiting

telcGeht es Ihnen wie mir, schon  dut­zend­mal gehört, aber eigent­lich keine genaue Vor­stel­lung davon: die telc oder telc-Zertifizierung? Die Begriff­lich­kei­ten fie­len in den ver­gan­ge­nen Wochen hier im Büro der­art oft, dass ich der Sache ein­mal auf den Grund gehen wollte. 

Info & His­tory

Die telc gGmbH ist ein Sprach­tes­t­an­bie­ter. Der Nameist ein Akro­nym, das für The European Language Certi­fi­ca­tes steht. Los ging die Ent­wick­lung 1968: Ein Team aus Sprach­ex­per­ten erar­bei­tete für den Deut­schen Volks­hoch­schul­-Ver­band ein Zer­ti­fi­kat für die eng­li­sche Sprach­e. 1998 grün­dete der Dt. Volks­hoch­schul­-Ver­band dann seine Prü­fungs­zen­trale und nannte sie WBT Weiterbildungs-Testsysteme GmbH. Die Umbe­nen­nung in telc erfolgte im Dezem­ber 2006. Als Toch­ter­un­ter­neh­men des Deut­schen Volks­hoch­schul­-Ver­bands e.V. bie­tet die telc gGmbH inzwi­schen mehr als 80 ver­schie­dene Sprach­prü­fun­gen in elf Spra­chen an.

Die Bedeu­tung der telc-Zertifikate

Auch im Aus­land sind telc-Zertifikate gefragt, um nur zwei Bei­spiele zu nen­nen: Für Öster­reich ent­wi­ckelte die telc gGmbH eine Deutsch­prü­fung als Sprach­nach­weis für die Ein­bür­ge­rung. Und auch in der Schweiz sind telc Zer­ti­fi­kate je nach Kan­ton für die Ein­bür­ge­rung oder für die Über­nahme in den Öffent­li­chen Dienst aner­kannt. In Deutsch­land ist die telc gGbmH Part­ne­rin der Bun­des­re­gie­rung für die Sprach­prü­fung zum Abschluss der Inte­gra­ti­ons­kurse.
Dadurch, dass sich telc-Prüfungen kon­se­quent am euro­päi­schen Stu­fen­sys­tem für Sprach­kom­pe­tenz (GER) aus­rich­ten, sind die Zer­ti­fi­kate über­all ver­ständ­lich und aner­kannt.

Die Geschäfts­be­rei­che

Die gemein­nüt­zige telc GmbH kon­zen­triert sich auf zwei Geschäfts­be­rei­che: Test­ent­wick­lung und –durch­füh­rung sowie Trai­ning und Qua­li­fi­ka­tion (in die­sem Bereich wer­den Aus- und Fort­bil­dun­gen rund um die Prü­fun­gen für Kurs­lei­ter, Prü­fer und Bewer­ter orga­ni­siert).

Warum ist die telc gGmbH wich­tig für Ärzte, Per­so­na­ler und Kli­ni­ken?

Da der Fach­kräf­te­man­gel immer dring­li­cher wird, beson­ders in Kli­ni­ken in länd­li­chen Regio­nen und für bestimmte Fach­be­rei­che wie die Innere Medi­zin, nimmt die Bedeu­tung des inter­na­tio­na­len Recruit­ings suk­zes­sive zu. Seit Okto­ber 2013 gibt es die fach­sprach­li­che Prü­fung telc Deutsch B2-C1 Medi­zin, der erste objek­tive Test in der Fach­spra­che für Ärz­tin­nen und Ärzte. Die telc-Deutsch­prü­fung wird von Minis­te­rien und Behör­den aner­kannt. Viele Ärzti­nnen und Ärzte aus dem Aus­land haben diese Prü­fung bereits abge­legt, damit sie die Zulas­sung erhal­ten und natür­lich um sprach­lich auf die Arbeit vor­be­rei­tet zu sein. Um klare Lern­ziele zu defi­nie­ren, hat die telc gGmbH zusätz­lich ein Rah­men­cur­ri­cu­lum erar­bei­tet.

Um mehr dar­über zu erfah­ren, frag­ten wir Frau Dr. Sibylle Plass­mann, die die stell­ver­tre­tende Geschäfts­füh­re­rin der telc gGmbH ist und Lei­te­rin der Test­ent­wick­lung.

Plassmann SibylleMCM: Frau Dr. Plass­mann, was genau ist der Inhalt des Rah­men­cur­ri­cu­l­ums Medi­zin und für wen ist es gedacht?

Sibylle Plass­mann: Das Rah­men­cur­ri­cu­lum Medi­zin zeigt genau, was unter sprach­li­cher Hand­lungs­fä­hig­keit im ärzt­li­chen Beruf zu ver­ste­hen ist und was ein fach­sprach­li­cher Kurs ver­mit­teln sollte. Die Auto­ren beant­wor­ten häu­fig gestellte Fra­gen: Was soll­ten Kurs­lei­tende als Fach­leute für die Ver­mitt­lung von Spra­che an medi­zi­ni­schen Grund­la­gen ver­ste­hen? Wel­che Schnitt­stel­len zwi­schen sprach­li­chen und medi­zi­ni­schen Kom­pe­ten­zen sind für die Unter­richts­pla­nung zu beden­ken? Oder anders gesagt: An wel­chen Stel­len ver­än­dert die Ver­wen­dungs­si­tua­tion die Sprach­ver­mitt­lung, so dass ein kon­ven­tio­nel­ler Deutsch­un­ter­richt nicht mehr aus­reicht?
Das Rah­men­cur­ri­cu­lum wen­det sich an alle, die einen Sprach­kurs für Ärztin­nen und Ärzte pla­nen und gegen­über Auf­trag­ge­bern fun­diert dar­stel­len wol­len, sowie an die­je­ni­gen, die ihn unter­rich­ten und bedarfs­ge­recht gestal­ten möch­ten. Patent­re­zepte für die Kurs­pla­nung sind an die­ser Stelle nicht sinn­voll, denn die kon­krete Aus­ge­stal­tung des Sprach­un­ter­richts sollte stets von der Ziel­gruppe, also von den inter­na­tio­na­len Ärztin­nen und Ärz­ten im Unter­richts­ge­sche­hen, abhän­gig gemacht wer­den. Einen Rah­men aber kann man span­nen, um so die viel­fäl­ti­gen mög­li­chen Kurs­in­halte sys­te­ma­tisch zu betrach­ten und dem jewei­li­gen Kon­text ent­spre­chend zu sor­tie­ren.

MCM: Uns inter­es­sie­ren natür­lich auch ein wenig die Grö­ßen­ord­nun­gen. Haben Sie einen Über­blick, wie viele Sprachschulen/Anbieter die Deutsch­prü­fung B2/C1 Medi­zin mit telc-Zertifikat anbie­ten, wie viele aus­län­di­sche Ärzte und Ärz­tin­nen absol­vie­ren ein Zer­ti­fi­kat und gibt es viele Anbieter/Sprachschulen, die dem­nächst die telc-Prüfung/Zertifizierung einführen/anbieten möch­ten?

Sibylle Plass­mann: Die telc-Fachsprachenprüfung für Ärzte kann an allen lizen­zier­ten telc-Prüfungszentrem abge­legt wer­den – das sind alleine in Deutsch­land über 1000 Sprach­schu­len, dar­un­ter alle Volks­hoch­schu­len. Welt­weit haben wir ein Part­ner­netz­werk in über 20 Län­dern, das ste­tig wächst. Wir haben eine ste­tig wach­sende Zahl an Teil­neh­men­den an den fach­sprach­li­chen Prü­fun­gen von bald schon 1.000 Absol­ven­ten.

MCM: War es beson­ders schwie­rig die  fach­sprach­li­che Deutsch­prü­fung für den Bereich Medi­zin zu erar­bei­ten, da es sich um ein so sen­si­bles Berufs­feld han­delt? Wie gehen Sie dabei vor, wel­che Exper­ten müs­sen für ein sol­ches Pro­jekt mit ins Boot genom­men wer­den und wie lange dau­ert es, bis so eine Prü­fung steht? Die Medizin-Prüfung ist ja erst seit ver­gan­ge­nen Okto­ber im Ein­satz.

Sibylle Plass­mann: Eine fach­sprach­li­che Prü­fung zu ent­wi­ckeln erfor­dert immer eine Drei­eck­be­zie­hung: Sprach­lehr­kräfte aus Fach­spra­chen­kurse, Fach­leute (also in die­sem Fall Ärzte) und Test­ex­per­ten. Drei ver­schie­dene Per­spek­ti­ven müs­sen zusam­men­kom­men, so dass das Test­ver­fah­ren am Ende valide und zuver­läs­sig funk­tio­niert. Die Ent­wick­lungs­zeit beträgt etwa zwei Jahre, denn man muss ja auch Erpro­bun­gen durch­füh­ren und alle Akteure zur Begut­ach­tung und Eva­lu­ie­rung des Tests ein­la­den.

MCM: Wie sieht es mit den Sprach­an­for­de­run­gen für Medi­zi­ner bei unse­ren Nach­barn in Öster­reich und der Schweiz aus?

Sibylle Plass­mann: In Öster­reich müs­sen Kennt­nisse der deut­schen Spra­che durch die Prü­fung Deutsch der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Ärzte nach­ge­wie­sen wer­den. Vor­aus­set­zung zum Antritt der Prü­fung ist das GER-Niveau B2. In der Schweiz sind die Rege­lun­gen in den Kan­to­nen wohl nicht ganz ein­heit­lich. Aus­län­di­sche Ärz­tin­nen und Ärzte in der Schweiz sind aber ohne­hin oft Deut­sche, und die müs­sen kei­nen Sprach­test able­gen. Wie sie mit dem Schwei­zer­deut­schen zurecht­kom­men, wäre noch eine inter­es­sante Frage …

MCM: Frau Dr. Plass­mann, herz­li­chen Dank für das Inter­view!

,

Bisher gibt es noch keine Kommentare.

Antwort erstellen

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.