Innovative Arbeitszeitmodelle im Schwarzwald-Baar Klinikum

17. Juni 2014

Employerbranding, Interviews

Logo SBKDas Schwarzwald-Baar Klinikum gehört mit 1.000 Betten an den zwei Standorten Villingen-Schwenningen und Donaueschingen zu den zehn größten nicht universitären Kliniken in Baden-Württemberg und zu den 80 größten Kliniken in Deutschland. Mit 25 hoch spezialisierten Hauptabteilungen und zwei Belegabteilungen bietet die Einrichtung ein Leistungsspektrum vergleichbar der „Maximalversorgung“. Angegliedert sind eine Hebammenschule, eine Pflegeschule mit Kinderkrankenpflege und eine Krankenpflegeschule. Auch im Bereich Personal macht sich das Klinikum zukunftsfähig – mit neuen Arbeitszeitmodellen reagiert es auf den Fachkräftemangel und die demographische Entwicklung. Darüber wollten wir mehr erfahren, Ulrike Maier stellte die Fragen an Karin Burtscher, Leiterin Personal.

U. Maier: Frau Burtscher, könnten Sie uns Ihre Arbeitszeitmodelle und Zusatzangebote kurz vorstellen? Wann haben Sie diese eingeführt, was war der Auslöser, wie wurden diese auf- und angenommen?

K. Burtscher:Schwarzwald-Baar Klinikum Ja gerne. Mit Inbetriebnahme unseres hochmodernen Schwarzwald-Baar Klinikums haben wir im Juli 2013 unsere neue Arbeitszeit-Betriebsvereinbarung mit den Flexibilitätsinstrumenten etabliert. Planbare und weitestgehend verlässliche Arbeitszeiten sind ein weiterer Baustein, neben der anerkannten medizinischen Expertise unserer Fachkliniken und den modernen Arbeitsplätze und Arbeitsabläufen, der die Positionierung des Schwarzwald-Baar Klinikums als attraktiver Arbeitgeber untermauert.
Um gut ausgebildete Fachkräfte zu binden und zu gewinnen, sind heute, wie Sie wohl am besten wissen, Personalkonzepte für Vereinbarkeit von Familie/Privatleben und Beruf sowie weitgehend planbare und verlässliche Arbeitszeiten essentiell.
FixFlex-Dienste werden eingesetzt um absehbare flexible Anforderungen abdecken zu können. Mitarbeiter, die für FixFlex-Dienste eingeteilt sind, können sich darauf einstellen, dass der FixFlex-Dienst kürzer oder länger dauert und die anderen Kolleginnen und Kollegen das für geplante Dienstende verlässlich einhalten können.
Stand-By und Jokerdienste werden eingesetzt um den kurzfristigen höheren Bedarf (durch kurzfristige Krankheitsausfälle) abzudecken und zugleich für die Kolleginnen und Kollegen, die arbeitsfrei geplant sind, zu gewährleisten, dass diese freien Tage realisiert werden können.
Ein Highlight am Schwarzwald-Baar Klinikum ist  außerdem die Betriebskindertagestätte des am Standort Villingen-Schwenningen mit flexiblen Betreuungszeiten zwischen 05:45 Uhr bis 20:15 Uhr. Die Kita wurde im September 2013 mit 20 Kindergarten- und 30 Krippenplätzen in 4 Gruppen in Betrieb genommen und ist inzwischen voll belegt.

Das SB-Klinikum in Zahlen
Abteilungen 25
Bettenzahl 1.000
Mitarbeiter 2.900
Stationäre Patienten 50.000 pro Jahr
Ambulante Patienten 140.000 pro Jahr

U. Maier: Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Arbeitszeitmodellen, werden die Modelle z.B. auch von männlichen Kollegen genutzt?

K. Burtscher: Die Flexi-Dienste werden sukzessive in den Kliniken etabliert. Diese Flexi-Dienste sind geschlechtsunabhängig und tragen zur Sicherstellung der Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Personaleinsatzplanung und somit auch zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.

U. Maier: Was muss aus Ihrer Sicht noch getan werden, um jungen Ärztinnen eine Karriere im Krankenhaus zu ermöglichen?

K. Burtscher: Die jungen Ärztinnen benötigen Modelle, die ihnen eine schnelle Rückkehr in Teilzeit nach der Mutterschutz- und Elternzeitphase bzw. Programme zum Wiedereinstieg in den Beruf bei längerer Abwesenheit ermöglichen. Wichtig ist unter anderem, dass der Kontakt zwischen der Klinik und den jungen Ärztinnen während Mutterschutz- und Elternzeitphase nicht abbricht und z.B. ermöglicht wird, dass diese Ärztinnen auch an internen Fortbildungen teilnehmen können.

U. Maier: Gibt es Kliniken, die Ihre Modelle bereits aufgreifen? 

K. Burtscher: Wir erhalten tatsächlich vermehrt Anfragen von anderen Kliniken, Berufsverbänden etc. die unsere Modelle, die gemachten Erfahrungen und die Resonanz unserer Ärzte diesbezüglich  hinterfragen und für zeitgemäß bewerten und gut heißen.

SB-KlinikumU. Maier: Glauben Sie, dass sich der Krankenhausbetrieb aufgrund der demographischen Entwicklung und des Ärztemangels in den kommenden Jahren verändern wird? Spüren Sie bereits Auswirkungen der demographischen Entwicklung in Ihrem Betrieb?

K. Burtscher: Die demographische Entwicklung und der Fachkräftemangel bringen mit sich, dass wir spezielle Personalkonzepte benötigen, die ermöglichen, dass die Ärzte in fortgeschrittenem Alter ihr Wissen und ihre medizinische Expertise noch stärker als heute in die Weiterbildung der jüngeren Ärzte z.B. in Form von Teaching, Mentoring weitergegeben können. Am Schwarzwald-Baar Klinikum stellen wir vermehrt fest, dass Ärzte in fortgeschrittenem Alter vollzeitnahe Teilzeitmodelle wünschen und Ärztepaare mit Kindern verstärkt Teilzeitmodelle nachfragen. Den generellen Trend, dass immer mehr Frauen den Arztberuf ausüben, erkennen wir bereits an unserer Personalstruktur im Ärztlichen Dienst, der Anteil an Ärztinnen unter 40 Jahren liegt bei 60 %; über 40 Jahren bei 30 %. Wir stellen ebenso so fest, dass sich die Ärzte in ihrer Rolle als Väter in den letzten 3 Jahren viel stärker bei Familienfragen engagieren. Wir führen diesen Entwicklungstrend unter anderem darauf zurück, dass sich heutzutage Frauen ebenso wie Männer für die Familie entscheiden, sich aber beide gleichzeitig beruflich verwirklichen wollen.

U. Maier: Haben Sie auch schon weitergehende Pläne, die Sie in Kürze oder langfristig im Schwarzwald-Baar Klinikum umsetzen wollen, um das Arbeiten flexibler zu gestalten, dennoch die Krankenhausversorgung zu sichern und der demographischen Entwicklung entgegenzuwirken?

K. Burtscher: Wir kommen unseren Mitarbeitern so weit wie möglich entgegen und planen, in unser Konzept für Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben auf kurz oder lang – auch in Führungsfunktion – vollzeitnahe Teilzeitangebote aufzunehmen sowie Modelle für Wahlarbeit und Langzeitkonten anzubieten. Die demographische Entwicklung ist eine wirkliche Herausforderung, die im Rahmen unseres Betrieblichen Gesundheitsmanagements mit einem strukturierten und systematischen Vorgehen auf der Agenda steht. Zielsetzung ist es, langfristig und nachhaltig Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit und Leistungsfähigkeit anzubieten.

U. Maier: Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Personalarbeit!

 

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