Karriereverläufe bei Ärztinnen und Ärzten

13. April 2012

Recruiting Trends

Wenn Sie zu den Arbeitgebern gehören, die großen Wert auf ein familienfreundliches Arbeitsumfeld legen, dann könnte dieser Beitrag für Sie neue Erkenntnisse bieten. Mit KARMED einer Studie des Uniklinikums Hamburg und der Universität Leipzig wurden die Karriereverläufe während und nach der fachärztlichen Weiterbildung in Deutschland untersucht. Das Verbundprojekt startete 2008 mit der ersten Erhebungswelle, derzeit läuft die dritte Erhebung (bis 2014).
Die ERGEBNISSE sprechen eine klare Sprache:
Mit Kindern ist eine Karriere als Ärztin nach wie vor die absolute Ausnahme.
  • 60% aller Medizinabsolventen sind weiblich, als Ärztin arbeiten dann aber nur 40% und dies zum größten Teil in Teilzeit.
  • Die Facharztausbildung (Dauer ca. 4-8 Jahre) kollidiert nach dem mindestens 12 Semester umfassenden Studium meist mit der Familiengründung.
  • Nur 3% der KarMed-Befragten verfügten über eine Teilzeitstelle.
  • Bevorzugte Fachgebiete der Medizinerinnen: Kinderheilkunde und Gynäkologie (ganz unten auf der Beliebtheitsskala: Chirurgie und Orthopädie), Männer dagegen zieht es zur Inneren Medizin, Chirurgie oder Orthopädie.
  • Unterschiede Ost und West: 50% der westdeutschen Ärztinnen möchten nach der Facharztausbildung gerne in Teilzeit arbeiten, im Osten nur 20%. Bei den Männern das gegenteilige Bild, hier möchten im Westen (5%) nur halb so viele Teilzeit arbeiten wie im Osten (10%).
  • Die Geschlechterrollen bleiben nach wie vor weitgehend traditionell verteilt.
  • Frauen ziehen die Karrierestufen Oberarzt (nur 27%) und Chefarzt (2%) erst gar nicht in Betracht.

    Strukturelle und psychosoziale Bedingungen für eine Karriere als Ärztin an einer (Uni)Klinik:
    – Akzeptanz von langen Arbeitszeiten, Überstunden
    – Forschung in der „Freizeit“
    – bei Elternschaft: Kinderbetreuung
    – hoher Organisationsgrad
    – methodische Lebensführung
    – Karriereorientierung
    – Berufung
    – Verknüpfung von beruflichen und privaten Lebensentwürfen,
    bewusste Realisation eines egalitären Ideals = Paararrangement
    – Bewusste Auseinandersetzung mit traditionellen Rollenverteilungen

Was können und müssen Sie für Ihr Personalmanagement aus diesen Ergebnissen folgern?
In erster Linie: Ohne Teilzeitmodelle und Kinderbetreuung können die jungen Medizinnerinnen nicht gehalten werden! Die Arbeitszeitmodelle müssen also flexibler werden und auf die Bedürfnisse der Mütter und Väter eingehen:
– mehr Teilzeitmöglichkeiten (insbes. an Universitätskliniken)
– bessere Verlautbarung der Teilzeitoptionen/Arbeitszeitmodelle für Ärztinnen und Ärzte
– planbare Arbeitszeiten
– Arbeitsbelastung muss angemessen sein, Eltern müssen zu Hause auch noch leistungsfähig sein.
– Kinderbetreuungseinrichtungen mit ganztägigen Öffnungszeiten
– Strukturierung der Weiterbildungspläne
– Gender als Bestandteil der medizinischen Ausbildung und in Führungsseminaren

Infos zur Studie:
Am Standort Hamburg erfolgt der quantitative Teil der Erhebung. 1000 Absolventen/innen aus sieben medizinischen Fakultäten werden während ihrer Facharztausbildung jährlich mit einem standardisierten Fragebogen zu folgenden Themen befragt: Rahmenbedingungen der fachärztlichen Weiterbildung, Karrierewünsche, berufliche Selbstwirksamkeitserwartungen, Arbeitsmotivation und Fragen zur sozialen Unterstützung.
Der qualitative Teil der Studie wir an der Uni Leipzig durchgeführt. Er umfasst Gruppendiskussionen im Verlauf der fachärztlichen Weiterbildung sowie Interviews mit Ärzten/Ärztinnen und ihren Partnern oder Partnerinnen, ein Schwerpunkt liegt dabei auf Doppelkarrierepaaren.

Weitere Infos:
>> im Deutschen Ärzteblatt, >> beim Deutschen Ärztinnenbund e.V., >> in der Ärztezeitung
>> Außerdem ein einschlägiger Bericht bei Via medici: Eine Chefärztin, die mit 20 Ärzten zusammen arbeitet, 19 davon in Teilzeit!

Und welche flexiblen Arbeitszeitmodelle werden in Ihrem  Krankenhaus praktiziert? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie einen Kommentar!

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