Mobile Recruiting – wenig mobil

19. März 2015

Recruiting Trends

Das Smartphone ist immer dabei und wird zu jeder Zeit genutzt. Man sitzt im Bus oder in der Bahn, steht in einer langen Schlange an der Supermarktkasse, da kann man ja eben mal die Zeit überbrücken und die Wettervorhersage checken, sich über das kommende Konzertprogramm informieren oder warum nicht, auch mal die neusten Stellenangebote überfliegen. Ist doch praktisch!
Mehr als 30 Millionen Deutsche surfen inzwischen mobil im Internet.¹ Tendenz steigend. Fast alles wird bereits über mobile Endgeräte erledigt: E-Mails werden gelesen und verschickt, Hotelzimmer unterwegs noch schnell gebucht, Bankgeschäfte beauftragt. 15% der Bundesbürger verfügen bereits nur noch über mobile Geräte.² Der PC ein aussterbendes Medium? Na, ganz so weit ist es noch nicht, aber es ist offensichtlich, dass sich das Nutzerverhalten extrem verändert.
Was bedeutet dies aber für die Arbeitgeber und ihre Stellenausschreibungen? Offensichtlich ist das Thema Mobile Recruiting in den Chefetagen der Personaler noch nicht angekommen. Von den 160 Unternehmen, die in der Mobile Recruiting Studie 2014 analysiert wurden, haben gerade einmal 20% ein mobil-optimiertes Angebot parat. Und wohlgemerkt, es handelt sich hier um börsennotierte Unternehmen.¹
Dabei müssten diese Argumente doch alle wachrütteln:

  • Google wertet alle Webseiten ab, die nicht mobil optimiert sind und damit eben auch die einschlägigen Stellenanzeigen.
  • In Kürze werden mehr Smartphones und Tablets verkauft als traditionelle Desktop-PCs/Laptops. In einigen Ländern ist dies sogar bereits der Fall.
  • 60% aller Deutschen, die derzeit auf der Suche nach einer neuen Stelle sind, möchten sich mobil bewerben.²

Demnach muss es eigentlich ein Must-have sein: das responsive Webdesign. Bedeutet auf gut Deutsch, Inhalt und Layout einer Webseite passen sich an das Ausgabegerät an. So können z.B. die Unternehmens- und Karrierewebseiten einer Firma nicht nur komfortabel auf einem Desktop-PC, sondern eben auch unterwegs auf dem Smartphone oder dem iPad gelesen werden.
Auch die Stellenanzeigen, veröffentlicht auf der eigenen Unternehmenswebseite oder bei diversen Jobportalen, sollte den verschiedenen Ausgabegeräten gerecht werden. Aber wie sieht sie aus, die perfekte mobile Stellenanzeige? Die wichtigsten Regeln zur Erstellung hat Jobware in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain erarbeitet:³

Die mobil optimierte Stellenanzeige (MOPS)

  • Die Stellenanzeige sollte ohne Zoomen sofort lesbar sein und damit auch alle Schlüsselinhalte (Unternehmen, Einsatzort, Stellenbezeichnung, Startzeitpunkt).
  • einspaltiger Aufbau
  • Klappmenüs statt Scrollfunktion
  • Das Datenvolumen darf nicht zu groß sein, damit die Ladezeit auch bei langsamen Mobilfunkverbindungen nicht überschritten wird.
  • Verständliche Benennung der Interaktionselemente, die auch ausreichen groß gestaltet sein sollten
  • Die Inhalte, die durch Links verknüpft sind, sollten natürlich auch mobil optimiert sein.
  • Das Logo wird immer wahrgenommen, also einbauen!
  • Info und Bild zum Unternehmen werden hingegen, auch bei bester Platzierung, meist übersprungen.
  • Ansprechpartner und Kontaktmöglichkeit dürfen nicht fehlen.
  • I-Tüpfelchen: Der Bewerber hat die Möglichkeit sich mobil zu bewerben.

Die mobile Bewerbung

Damit eine mobile Bewerbung funktioniert, muss sich diese auf ein Minimum an Informationen beschränken. Darauf lassen sich bisher sehr wenige Unternehmen ein, gerade einmal 6% der ins Visier genommenen Firmen erlauben eine mobile (Vor-)Bewerbung.4 Wie eine gute Lösung aussehen kann, stellt Dominik A. Hahn von der Allianz in seinem Blog vor. Der Mobile-Recruiting-Auftritt des Finanzdienstleisters ist übersichtlich und beschränkt sich wirklich auf das Wesentliche. Der potentielle Bewerber kann gezielt suchen, die Jobangebote sind durch die Reduzierung aufs Wesentliche ganz schnell zu erfassen und es gibt sogar die Möglichkeit sich sofort zu bewerben.5
Fährt das Personalmanagement beim Bewerbungsprozess tatsächlich mehrgleisig, bedeutet dies natürlich auch, dass die unterschiedlichen Bewerbungsprozesse definiert und gleichberechtigt sein müssen.
Oder muss der mobile Bewerbungsweg ein anderer sein? Weil der Bewerber kein klassisches Anschreiben mit tabellarischem Lebenslauf übermitteln will, wird künftig nur noch ein Link zum Xing-Profil übermittelt oder in einer ersten Kontaktaufnahme nur das Interesse an der ausgeschriebenen Stelle signalisiert. Dann ist der Arbeitgeber am Zug, er muss es daraufhin schaffen, die qualifizierten Bewerber zu einer ausführlichen Bewerbung zu motivieren. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik …

Die Job-App

Braucht jedes Unternehmen wirklich eine Job-App? Darüber wurde schon viel diskutiert, der Tenor lautet jedoch eindeutig nein.6 Wer sich dennoch für die Job-App-Variante entscheidet, der sollte sein Angebot sowohl für Android als auch für iOS zur Verfügung stellen. Viel wichtiger sind jedoch die mobil optimierten Stellenanzeigen und die mobile Variante der eigenen Karrierewebseite. Besser noch die Webseite ist gleich responsive aufgesetzt, damit sie auf sämtlichen Endgeräten wiedergegeben werden kann. Schließlich würde sich kein Arzt, der sich beruflich verändern möchte, jede Job-App aller rund 2.000 deutschen Krankenhäuser installieren.

Und wie sieht es in der mobilen medizinischen Jobwelt aus?

Die Kliniken sind hierzulande noch ganz traditionell unterwegs, die Bewerbung wird per Post, E-Mail oder per Online-Eingabemaske eingefordert. Immerhin gibt es schon viele Kliniken, die über mobile Karriereseiten verfügen, hier ein paar wenige Beispiele:

Als Beispiel für eine übersichtliche und benutzerfreundliche Job-App, die sowohl für Android als auch für das iPhone geeignet ist, möchte ich die App der Median Kliniken anführen.Median Job App

Online Talent Communication Ranking 2015

Abschließend hier das aktuelle Ranking des Marktforschungsinstituts Potentialpark. Seit 2002 werden in der OTaC-Studie (Online Talent Communication) jährlich die Online-Karriere-Kanäle deutscher Unternehmen untersucht. Für die diesjährige Studie befragte das Institut weltweit rund 18.000 Studierende und wertete die Online-Aktivitäten von rund 160 deutschen Unternehmen aus. Die zwei wahrscheinlich wichtigsten Erkenntnisse der Studie: Die Jobsuche auf den Karriereseiten der Firmen hat an Bedeutung verloren (- 10%): „Zu zeitaufwendig, zu wenig passende Ergebnisse,“ so urteilten die Studenten. Bewertungsportale wie kununu hingegen haben zugelegt.

OTaC-Studie 2015: Top 30
Rank Company Score Diff
1 Fresenius 82,2 0
2 Deutsche Telekom 79,8 0
3 EY 70,2 1
4 Allianz 69,3 -1
5 Otto 67,5 1
6 ProSiebenSat.1 Media 64,5 15
7 Infineon 62,8 91
8 Henkel 62,8 44
9 Accenture 60,3 -2
10 Philips 60,2 50
11 Deutsche Post DHL 60,2 1
12 Deloitte 60,0 2
13 TÜV NORD 59,6 0
14 Deutsche Bahn 59,4 22
15 ABB 59,0 33
16 ALTANA 59,0 11
17 BASF 58,6 11
18 Bayer 58,6 -7
19 Bertelsmann 58,0 -14
20 Bosch 57,5 9
21 UBS 56,8 13
22 Tchibo 56,5 8
23 Schaeffler Gruppe 56,0 15
24 Munich Re 55,8 46
25 BMW 55,4 0
26 Continental 55,3 -16
27 Roland Berger 55,1 37
28 Bertrandt 55,0 -11
29 ThyssenKrupp 54,5 -21
30 Sanofi 54,3 33
Quelle: potentialpark

 


 

 

¹ Wollmilchsau GbmH: Mobile Recruiting Studie 2014
² Wirtschaftswoche: Unternehmen verweigern Bewerbung per Smartphone
³ Jobware Online-Service GmbH: Mobile-Recruiting-Studie 2013. In Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Jäger und Prof. Dr. Stephan Böhm.
4 Wollmilchsau GbmH: Mobile Recruiting Studie 2014
5 Dominik A. Hahn: Allianz Gruppe mit innovativer Mobile Recruiting Lösung
6 personalmarketing2null: Mobile Recruiting: Über Sinn und Unsinn mobiler Job-Apps

 

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