Ökonomisierung des Gesundheitswesens – Arbeitsalltag in Deutschen Kliniken

1. Juni 2012

Employerbranding

Wie sieht der All­tag für Ärzte in Deut­schen Kli­ni­ken wirk­lich aus? Im ZEIT Maga­zin Nr. 21 vom 16. Mai 2012 bre­chen fünf Ärzte ihre „Schwei­ge­pflicht“ und berich­ten von Ihren täg­li­chen Erfah­run­gen. Ein Assis­tenz­arzt in einem Kreis­kran­ken­haus beschreibt seine vierte Nacht­schicht in Folge z.B. so: „Wenn man so über­mü­det vor sei­nem Kaf­fee sitzt, hört man den Summ­ton der Neon­röh­ren und das Piep­sen der Moni­tore – bis ein Mar­tins­horn die Mono­to­nie durch­bricht.“ Dann trifft der Not­fall ein.“ Eine Pati­en­tin soll eigent­lich sofort in einem Kern­spin­to­mo­gra­fen durch­leuch­tet wer­den. „Unsere Kli­nik“, sagt der Assis­tenz­arzt,“ besitzt ein sol­ches Gerät. Aber jetzt steht es still: Wir haben nicht genug Per­so­nal, um es rund um die Uhr zu betrei­ben.“ Nun drängt die Zeit.

Teure Geräte, wie in die­sem Fall der Kern­spin­to­mo­graf, müss­ten sich ren­tie­ren. Daher wür­den sie in die­sem Beis­pile nur von 8 bis 18 Uhr hoch­ge­fah­ren, wenn Pati­en­ten für einen „rei­bungs­lo­sen Betrieb“ sor­gen. Auch gäbe es Fälle wie die­sen: Ambu­lanz­fahr­zeuge irr­ten gele­gent­lich durch die Stadt, auf der Suche nach einer Kli­nik, die einen z.B. hoch betag­ten Pati­en­ten auf­nimmt. „Alle wol­len junge Pati­en­ten, die schnell wie­der auf den Bei­nen sind“, heißt es im Arti­kel des ZEIT Maga­zin. Jeder­zeit will­kom­men seien als „gute Risi­ken“ Kno­chen­brü­che und Herz­in­farkt­pa­ti­en­ten. Viele kleine Kli­ni­ken stün­den zudem unter dem Druck, jähr­lich eine bestimmte Anzahl an Ope­ra­tio­nen vor­wei­sen zu müs­sen, sonst dürf­ten sie diese Behand­lung nicht mehr durch­füh­ren. Und pri­vate Kli­ni­ken betei­lig­ten sich aus Wirt­schaft­lich­keits­grün­den gar nicht mehr an der Not­fall­ver­sor­gung. Es sei wie bei den Ban­ken, „Gewinne wer­den pri­va­ti­siert, Ver­luste sozia­li­siert.“

Der Kampf ums Über­le­ben in vie­len Kli­ni­ken und die zuneh­mend öko­no­mi­sche Aus­rich­tung wirke sich unmit­tel­bar auf die Berufs­pra­xis aus. Dies gehe zu Las­ten der Arbeits­be­din­gun­gen und habe Nach­teile für die Pati­en­ten. Zäh­len wür­den nur noch die Fall­pau­scha­len – mit ent­spre­chen­der Aus­wir­kung auf die Dia­gno­sen. Viele Ärzte wür­den den Spa­gat aus BWL und Berufs­ethik nicht mehr aus­hal­ten und den Kli­nik­be­trieb ver­las­sen, weil sie Arzt bzw. Ärz­tin sein wol­len.

Ange­sichts sol­cher Erfah­rungs­be­richte wun­dert es nicht, dass etwa 1 Drit­tel aller Berufsanfänger/innen den Kli­nik­be­reich mei­den. Nur zwei Drit­tel begin­nen ihre Medi­zi­ner­kar­riere als Arzt oder Ärz­tin in einem Kran­ken­haus. Die zuneh­mende Ren­di­te­ori­en­tie­rung wirkt sich nega­tiv auf die Arbeits­be­din­gun­gen aus. Fatal in einer Situa­tion, in der der Arbeits­markt extrem ange­spannt ist und viele Häu­ser hän­de­rin­gend um den Medi­zi­ner­nach­wuchs wer­ben.

Hier der kom­plette Arti­kel in der ZEIT

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