Pflege in Augsburg – Interview mit Susanne Arnold, Vorstand Pflege am Klinikum Augsburg

17. September 2015

Employerbranding, Interviews

Das Klinikum Augsburg ist ein kommunales Großkrankenhaus mit imposanten Zahlen: Es umfasst 24 Kliniken und drei Institute mit 1.731 Betten; jährlich werden dort mehr als 1.800 Kinder auf die Welt gebracht; das Klinikum verfügt über eine Luftrettungsstation mit Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Hauses und ist mit mehr als 5.500 Mitarbeitern und rund 500 Ausbildungsplätzen einer der größten Arbeitgeber der Region. 2014 wurden über 248.000 ambulante und stationäre Patienten behandelt. Das derzeit von Stadt und Landkreis Augsburg getragene Klinikum ist das einzige Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe in der Region Schwaben und soll bis 2018 in ein Universitätsklinikum umgewandelt werden. „Wir sind im Fluss“, so beschreibt Susanne Arnold, die dem Vorstand des Klinikums angehört, die derzeitige Situation in Augsburg. Außerdem sprach sie im Interview mit Ulrike Maier über die Entwicklungen in ihrem Fachbereich Pflege.

1. Frau Arnold, Sie haben Ihre Laufbahn als Krankenschwester und Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie begonnen und nach Ihrem Studium als Pflegedirektorin Station in Kempten und Darmstadt gemacht, bevor Sie 2012 ans Klinikum Augsburg kamen, zunächst als Pflegedirektorin, seit vergangenem Jahr sind Sie nun im Vorstand tätig. Hat sich die Pflege in dieser Zeit gewandelt und wenn ja, hat sich damit auch das Personalwesen verändert?
Susanne Arnold: Ja natürlich. Die Aufgaben für die Pflegenden haben sich verändert, die Versorgung wird zunehmend komplexer. Die Patienten werden immer älter. Die Pflegenden müssen sich auf eine kürzere Verweildauer, auf die Überleitung und Nachsorge einstellen, sie müssen heute deutlich vielseitiger sein als noch vor ein paar Jahren. In diesem Sinne finde ich Slogans wie „Pflege kann jeder“ sehr gefährlich. Unsere Pflegekräfte sind sehr gut ausgebildet und verfügen über spezifisches Fachwissen, sie können qualitativ hochwertige Pflege und Fürsorge bieten. Das Personalwesen hat sich dahingehend geändert, dass wir heute mit einem ernormen Personaldruck kämpfen, wobei es uns in Augsburg noch ganz gut geht. Unser krankheitsbedingter Ausfall liegt bei 3,3%, da liegen wir im unteren Mittel. Wir haben dennoch einen Mitarbeiterpool eingeführt, auf den wir bei Engpässen zurückgreifen können. In diesem Pool sind z.B. viele Mütter mit Kindern, die wir als Springer flexibel auf 4 bis 6 Stationen einsetzen können, je nachdem, wo gerade Bedarf besteht. In Gegenleistung haben unsere Springer einen Tag mehr Urlaub und einen ganz festen Dienstplan, auf den sie sich 100%ig verlassen können. Solche Konzepte muss man einführen, um den Personaldruck abzufedern.

2. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Führungskraft in der Pflege und wie schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter jeden Tag zu Spitzenleistungen zu motivieren?
Susanne Arnold: Dreh- und Angelpunkt sind in diesem Zusammenhang unsere Stationsleitungen. Mit ihnen steht und fällt der Arbeitstag, sie motivieren die Pflegekräfte, kümmern sich um die Organisation der Abläufe, daher müssen sie wie ein Fels in der Brandung stehen. Es ist somit enorm wichtig, dass die Stationsleitungen gut geschult sind und immer wieder Fort- und Weiterbildungen erhalten. Persönlichkeitsentwicklung ist hier ein wichtiges Stichwort und die Kommunikationsfähigkeit muss stimmen. Gerade für die Generation Y ist es wichtig, rechtzeitig informiert zu werden, in Entscheidungen frühzeitig eingebunden und ernst genommen zu werden. Dann sind diese jungen Leute gerne bereit Leistung zu erbringen und konstruktiv mitzuarbeiten. Deswegen brauchen wir fitte Stationsleitungen, Mitarbeitergespräche und eine Führungskultur, die darauf ausgerichtet ist, die Leistung der Mitarbeiter anzuerkennen und deren Können und Wissen in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Gerade für die junge Generation ist außerdem die Work-Life-Balance sehr wichtig. Die ältere Generation nimmt die Gegebenheiten eher so wie sie sind und richten sich danach. Wir versuchen das in unserer Aufbauorganisation zu berücksichtigen und haben hier in Augsburg die Ebene der Pflegedienstleitungen abgeschafft. Die Stationsleitungen haben hierdurch zwar mehr Verantwortung aber auch mehr Gestaltungsfreiraum erhalten und müssen ihre Angelegenheiten stärker selbst regeln. Das Zentrumsmanagement kümmert sich im Gegenzug um die Prozessorganisation. Wir müssen eine lernende Organisation sein und bleiben.

3. Ist der Fachkräftemangel im Bereich Pflege auch schon in Augsburg angekommen?
Susanne Arnold: Noch können wir unsere Stellen besetzen, aber wir spüren es auch schon. Gerade zum Beispiel im Sommer bewerben sich wenige, Im Frühjahr und Herbst stellen wir dafür kräftig ein. Im Rhein-Main-Gebiet zum Beispiel herrscht dagegen eine größere Konkurrenz zwischen den verschiedenen Krankenhäusern und Kliniken. Da haben wir es in Augsburg noch ganz gut.

4. Was tun Sie für die Mitarbeiterbindung und Ihr Employerbranding, haben Sie Projekte in diesem Bereich, die Sie zukunftsfähig machen?
Susanne Arnold: Ja, an diesen Themen sind wir dran. Eines unserer zentralen Projekte beschäftigt sich derzeit mit den Mitarbeitern ab 50+. Wie können diese Fachkräfte ihre letzten 10 bis 15 Arbeitsjahre gut verbringen, wie können wir sie mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützen? Hier erarbeiten wir gerade Lösungsansätze und Möglichkeiten. Auch an den Arbeitszeitmodellen sind wir dran und natürlich haben wir einen Betriebskindergarten. Lebensphasenorientierte Personalpolitik möchten wir in die Praxis umsetzen. Im Bereich Employerbranding sind wir gerade in der Überarbeitungsphase unserer Ausschreibungen und unserer Druckerzeugnisse. Wir sind ja eher traditionell ausgerichtet und wollen jetzt einfach etwas peppiger und frecher werden. Wir hoffen, durch pointiertere Ausschreibungen auch die jungen Leute besser ansprechen zu können.

Viel Erfolg dabei, auch für den Weg zum Universitätsklinikum. Und herzlichen Dank, Frau Arnold, für das Interview.

Weiterführende Links des Augsburger Klinikums

 

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