Success Story II: Bulgarische Radiologin erhält Approbation in Nordrhein-Westfalen

13. November 2014

International Recruiting

So unge­fähr sieht es am Arbeits­platz von Frau Ganeva* aus: Die 36-jährige Bul­ga­rin ist Assis­tenz­ärz­tin im Bereich Radio­lo­gie und liebt die bild­ge­ben­den Ver­fah­ren. “Es ist eine Obses­sion”, sagt sie wäh­rend unse­res Inter­views. “Ich liebe die Kom­bi­na­tion aus kli­ni­schen Fra­gen und dia­gnos­ti­scher Bild­ge­bung.” Nach ihrem Medi­zin­stu­dium hat sie in den ver­schie­dens­ten radio­lo­gi­schen Abtei­lun­gen ihre Fach­arzt­aus­bil­dung absol­viert. 2005 erhielt sie die Appro­ba­tion. Frau Ganeva wollte ihren Hori­zont erwei­tern, wollte wis­sen, wie die Radiologie_Gammakamera2Radio­lo­gie in ande­ren Län­dern orga­ni­siert ist. Sie ergat­terte eine Hos­pi­ta­tion in einem Kran­ken­haus in Edin­burgh. Ein Kol­lege brachte sie dort schließ­lich auf die Idee, nach Deutsch­land zu gehen, da die medi­zi­ni­sche Aus­bil­dung in Deutsch­land einen sehr guten Ruf hat. “Es fehlte nur an einer klei­nen Ein­zel­heit: Ich konnte kein Deutsch,” wit­zelt sie heute in flie­ßen­dem Deutsch. Das Ener­gie­bün­del sie­delte sich in Nordrhein-Westfalen an, stu­dierte Bücher, las viel und besuchte ver­schie­dene Sprach­kurse. Im Nach­hin­ein meinte sie jedoch: “Für mich waren die Sprach­kurse ver­lo­rene Zeit. Die Fach­spra­che, die man bei der täg­li­chen Arbeit benö­tigt, konnte ich bes­ser aus den Büchern ler­nen. Aber es ist eine Frage des Flei­ßes. Man muss die Begriffe üben üben üben, bis man sie nie wie­der ver­gisst. Ich habe jeden Tag 3- bis 5-mal wie­der­holt, ich wollte das unbe­dingt schaf­fen, die Appro­ba­tion hier zu bekom­men.”
Im Spät­som­mer 2014 hat sie sich schließ­lich für den Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­test ange­mel­det und den Antrag auf die Appro­ba­tion vor­be­rei­tet, schließ­lich benö­tigt man auch in NRW eine ganze Menge For­mu­lare. “Dabei ist es schon ein gro­ßer Vor­teil, wenn man EU-Bürger ist”, sagt sie.
Und dann pas­sierte es: Frau Ganeva besatnd den Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­test nicht. 30% aller aus­län­di­schen Ärzte schaf­fen die Prü­fung beim ers­ten Mal nicht. “Wis­sen Sie, ich war schon depri­miert, aber man darf sich nicht ent­mu­ti­gen las­sen. Ich fragte mich immer, was das Pro­blem war, denn die Schau­spie­le­rin, die die Pati­en­tin spielte, hatte mich ver­stan­den. Warum ich nicht bestan­den habe? Ich wusste ein­fach nicht, was sie wol­len, wor­auf die Prü­fer Wert legen. Dar­auf habe ich viel im Inter­net gele­sen, dort gibt es eine Menge Über­trei­bun­gen zum Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­test, davon darf man sich nicht ent­mu­ti­gen las­sen. Ein Kol­lege gab mir dann den Tipp, das Buch ‘Deutsch für Ärz­tin­nen und Ärzte’ zu lesen.”
Der Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­test besteht aus drei Tei­len: Zunächst gibt es ein simu­lier­tes Pati­en­ten­ge­spräch mit einem Schau­spie­ler oder einer Schau­spie­le­rin. Dann muss der Prüf­ling eine Dia­gnose stel­len und dem Ober­arzt oder der Ober­ärz­tin, eben­falls Schau­spie­ler, eine The­ra­pie vor­schla­gen. Zum Schluss muss dem Pati­ent erklärt wer­den, wel­che Kom­pli­ka­tio­nen auf­tre­ten kön­nen. Außer­dem muss der Ana­mne­se­bo­gen geschrie­ben wer­den. Für jeden Prü­fungs­teil sind 20 Minu­ten vor­ge­se­hen, also für das Pati­en­ten­ge­spräch, für den Ana­mne­se­bo­gen und für das medi­zi­ni­sche Gespräch mit dem Ober­arzt. “Eigent­lich wol­len die ein­fach sehen, dass der Pati­ent den Arzt ver­steht und dass der Arzt das Gespräch füh­ren kann, denn die Pati­en­ten erzäh­len manch­mal viel, da muss man die Kom­mu­ni­ka­tion len­ken kön­nen. Und natür­lich: Es gibt viele medi­zi­ni­sche For­mu­lie­run­gen, Abkür­zun­gen und feste Rede­wen­dun­gen, die hier in Deutsch­land üblich sind, die muss man ein­fach ler­nen. Das muss man beherr­schen, sonst besteht man die­sen Test nicht.”
Beim zwei­ten Anlauf hat es dann geklappt. “Im Nach­hin­ein muss ich sagen, gibt es viel Lärm um nichts bei die­sem Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­test”, stellt Frau Ganeva resü­mie­rend fest. “Es ist alles eine Frage des Flei­ßes. Das schlimmste war eigent­lich das Geld. Die Prü­fung kos­tet jedes Mal 300 Euro. In Öster­reich sind es sogar 800 Euro!

MTJ: Jetzt haben Sie ja eine gute Stelle gefun­den. Was erwar­ten Sie nun, haben sie denn einen Traum, eine Kli­nik, an der Sie eines Tages gerne arbei­ten möch­ten?
Ganeva: Ach, da sollte man nicht so anspruchs­voll sein. Am bes­ten irgendwo anfan­gen und dann kann man ja sehen. Im Moment bin ich jeden­falls zufrie­den mit der Stelle, die ich habe.

MTJ: Wie waren Ihre Erfah­run­gen mit Medi­ca­lOn­boar­ding Ger­many?
Ganeva:
Die Zusam­men­ar­beit war per­fekt, ich war sehr zufrie­den. Vor allem möchte ich Frau Neu­mann dan­ken, sie war immer höf­lich und sehr hilfs­be­reit.

Alles Gute für Ihre Zukunft wünscht Ihnen das gesamte MOG-Team.

 

 

 

*Iden­ti­tät von der Redak­tion geän­dert

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