Pflegeausbildung – was der Nachwuchs wirklich wissen will

Wie informieren sich Schülerinnen und Schüler eigentlich über die Pflegeausbildung? Welche Rolle spielt dabei die Suche im Internet? Und was gibt letzten Endes den Ausschlag dafür, ob sie sich dafür oder dagegen entscheiden? Dieser Frage wollte Jennifer Neumaier, examinierte Pflegekraft und Pflegemanagement-Studentin an der katholischen Hochschule Freiburg auf den Grund gehen. Im Rahmen ihres Praktikums bei uns führte sie ein Forschungsprojekt durch, dessen zentraler Bestandteil eine Umfrage war, die sie ganz nah an die Zielgruppe heranbrachte. Der Name BOI_Guk steht dabei für „Berufsorientierung im Internet in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung.“

Die Umfrageergebnisse zeigten ganz deutlich, wie die befragten Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege das Internet während ihrer Berufsorientierung genutzt hatten, wie sie die verfügbaren Informationen aufgrund ihrer Erfahrungen aus der Ausbildung bewerteten und wie sie selbst über die Ausbildung informieren würden wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Die Auswertung des Fragebogens ergab dann auch für uns überraschende Ergebnisse – hier die vier wichtigsten, die bei der zukünftigen Planung „Ansprache der Zielgruppe Pflegenachwuchs“ beachtet werden sollten.

Platz 1: Praktikum oder FSJ am wichtigsten

73,6% der 121 befragten Auszubildenden geben an, während ihrer Berufsorientierung ein Praktikum oder FSJ absolviert zu haben. Damit belegt das Praktikum oder FSJ in dieser Umfrage Platz eins der genutzten Informationsangebote während der Berufsorientierung. Für 36,4% der Auszubildenden hatte das Praktikum oder FSJ zudem den größten Einfluss auf die Entscheidung für die Pflegeausbildung. Kein anderes Informationsangebot kann so praxisnah und umfassend Einblick in den Alltag des Pflegeberufes bieten, wie das Praktikum. Diese individuellen Erfahrungen und Eindrücke aus einem Praktikum können im Internet nur bedingt zur Verfügung gestellt werden. Es wäre jedoch denkbar, realitätsnahe Einblicke einzufangen, indem Auszubildende oder Pflegekräfte mit der Kamera begleitet werden und diese im Internet zugänglich zu machen. Für Ausbildungsbetriebe kann hier der Anlass gesehen werden, das Praktikumsangebot im Unternehmen weiter auszubauen und so für das Unternehmen und die Ausbildung zu werben. Dies würde einhergehen mit einer Ausschreibung von Praktikumsplätzen, die von den befragten Auszubildenden laut der Umfrage als sinnvoll und wichtig erachtet wird. Weiterhin ist es vorstellbar, Posten wie Praktikumsbeauftragte zu schaffen, um den Praktikanten einen eigenen Ansprechpart-ner für ihre Belange zur Verfügung zu stellen.

Platz 2: Praxisinformationen aus erster Hand

Der Stellenwert der Informationen aus der Praxis wird mit weiteren Ergebnissen unterstrichen. 46,3% der befragten Auszubildenden haben während ihrer Berufsorientierung das Gespräch mit Pflegekräften und 32,2% den Austausch mit Auszubildenden der Pflege gesucht, um Informationen zu erhalten und Fragen stellen zu können. Dieser Austausch könnte durch die Integration eines Forums auf einem Ausbildungsportal für Pflegeberufe möglich gemacht werden.

Platz 3: Infos der Ausbildungsbetriebe gefragt

Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Informationsangebote von Ausbildungsbetrieben bei der Berufsorientierung der befragten Auszubildenden eine wichtige Rolle spielten. Sie verzeichneten mit 79,3% die meisten Nutzer*innen, die häufigsten Zugriffe wie auch die beste Bewertung. Mit diesen Ergebnissen wird die bedeutsame Rolle des Internetauftritts eines Unternehmens mit der Information und Präsentation der eigenen Ausbildung unterstrichen. Hier ist ein großes Potenzial für Ausbildungsbetriebe erkennbar, die sich durch einen modernen, informativen und gut strukturierten Internetauftritt von konkurrierenden Ausbildungsbetrieben abheben und interessierte Menschen für die Pflegeausbildung gewinnen können.

Platz 4: Ausbildungsportale weniger wichtig

Überraschend war das Nutzungsverhalten von Ausbildungsportalen. 60,3% der befragten Auszubildenden gaben an, Ausbildungsportale während der Berufsorientierung im Internet nicht genutzt zu haben. Es konnte durch eine Recherche festgestellt werden, dass andere Branchen wie beispielsweise der Handel oder das Handwerk auf diesen Portalen große Beachtung finden und Pflegeberufe eher aktiv gesucht werden müssen. Es stellt sich die Frage, ob Ausbildungsbetriebe aus der Pflege dieses Medium noch nicht für sich erkannt haben oder bewusst auf die kostspielige Präsentation auf einem solchen Portal verzichten. Durch weitere Informationen und Praxisberichte würde die Attraktivität dieser Portale für Menschen, die sich über den Pflegeberuf informieren möchten, sicherlich steigen.

Fazit: auch im digitalen Zeitalter ist das persönliche Gespräch und die Empfehlung der Peer Group ganz wichtig. Die Glaubwürdigkeit dessen, was erzählt wird und die Praxisnähe sind entscheidend dafür, ob jemand sich für eine Pflegeausbildung entscheidet und dann auch in ihr verbleibt. Überraschend für uns war, dass die klassischen Azubi Portale eigentlich kaum eine Rolle spielten. Und für Ausbildungsbetriebe bedeutet es: aussagekräftige Landingapages erstellen die den Ausbildungs- und Berufsalltag realistsich darstellen und möglichst ein Mentoring oder Patenkonzept, das die Azubis bei allen Fragen und Problemen durch die Ausbildung begleitet.

Hier ein Onepager mit den vier wichtigsten Ergebnissen

Hier ein Folienvortrag vom Springer Kongress Pflege

Hier die komplette Studie zum Download

 

 

 

 

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